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02.06.15

Kinderkrippe und Ecole Maternelle in Frankreich


 Aus gegebenem Anlass möchte ich von unserer Kinderkrippe schreiben. Es handelt sich hierbei um die "Crèche de la Fôret" in Eysines. Ich liebe die Erzieherinnen, der kleine Spatz geht mit grösster Freude hin. Leider muss er im September in die Vorschule ("Ecole Maternelle"). Das ist in Frankreich so. Mit 3 Jahren! Er muss theoretisch bis dahin auch trocken sein, aber ich bleibe ruhig. Und trotzig. Wenn er nicht trocken ist, dann Pech gehabt! Eingewöhnung gibt es dann auch nicht mehr, die Kinder werden abgegeben und fertig ist.
Von Anfang an hatten wir einen guten Draht mit der Krippenleiterin. Wir haben sie getroffen, um uns für einen Krippenplatz anzumelden, obwohl dann die Plätze auf Zuteilung vergeben werden. Ich war gerade mal 6 Wochen schwanger. Die Krippenleiterin war so warmherzig und freundlich, ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen. Abgepumpte Milch konnte gebracht werden, die Krippe hat ihre eigene Köchin etc. Alles optimal. Wir bekamen einen Platz! Ich machte einen Luftsprung. Ein Krippenplatz ist wie ein Sechser im Lotto. Und ausserdem noch in unserer Wunschkrippe bei der netten Krippenleiterin. Insgesamt 28 Kinder werden hier betreut, davon 10 in der Baby-Gruppe (bis 1-1 1/2 Jahre) und 18 in der Gruppe der Mittleren/Grossen (ab 1 1/2-3 Jahren).



Unser kleiner Spatz kam mit gerade mal 4 Monaten in die Krippe, das war sehr schwer für mich, aber wir hatten in dem Moment keine Wahl. Ich musste in meinen Job zurück und mein Mann war auf Arbeitssuche. Wir konnten uns glücklicherweise richtig viel Zeit mit der Eingewöhnung nehmen. Und die Erzieherinnen waren und sind allesamt mit ganzem Herzen dabei. Mein Kleiner hat sich von Anfang an wohl gefühlt und selten waren die Tage, an denen er morgens geweint hat, wenn wir ihn hingebracht haben. Was mir immer besonders gut gefallen hat und noch gefällt ist die Tatsache, dass sich beim Abholen Zeit mit jedem Elternteil genommen wird, um über den Tag zu reden: was hat das Kind gemacht, gegessen, wie lange hat es geschlafen, Anekdoten etc. Die Erzieherinnen haben auch immer ein offenes Ohr, um über Probleme zu diskutieren, die zu Hause und evtl. auch in der Krippe auftauchen.
Es werden mehrmals im Jahr Nachmittage mit den Eltern organisiert, da kommen die Familien mit Geschwistern, Oma & Opa etc. und essen mit den Erzieherinnen und den Kindern Kuchen und Obst im Garten. Der Kuchen wird von den Kitakindern gemeinsam mit der Köchin am Vormittag gebacken...Es gibt ein Weihnachstwichteln, Ausflüge etc. Ich habe die Erzieherinnen ins Herz geschlossen, mein Sohn nochmehr. Die Krippe ist seine zweite Familie, die er nun bald verlassen wird. Eine neue Etappe beginnt, die der "Ecole Maternelle".
Dazu hat Tafjora schon einen zweiteiligen Bericht geschrieben, der es ganz gut trifft. Es ist ein wenig brutal und sensible Kinder verkraften es sicherlich schlechter.
Die 3-jährigen baldigen Schulkinder aus der Krippe durften auch schon eine "Ecole Maternelle" besichtigen. In unserem Fall wissen wir nur noch nicht, in welche Schule der kleine Spatz genau gehen wird, im Stadtzentrum gibt es zwei Schulen. Wir erfahren die Wahl Ende Juni per Post. Wahrscheinlich kommt er in dieselbe Schule wie seine grosse Schwester.


Das fänden wir ziemlich gut, er kennt diese Schule schon, da wir die grosse Maus hier oft abholen.
Entwicklungsgespräche wie bei Mama notes und Frühlingskindermama gibt es übrigens in dem Sinne nicht in Frankreich. Ab der Ecole Maternelle gibt es dann eine Art Bewertungssystem über sämtliche Sachen, die die Kinder lernen (Zeichnen, Buchstaben und Zahlen schreiben etc.). Bei der grossen Maus waren das: das traurige Gesicht, das neutrale Gesicht und das lächelnde Gesicht. Arbeitsblätter mit Gesichterbewertung in einem Hefter. Ich erspare mir hierzu jeglichen Kommentar. Den könnt Ihr Euch denken. Man kann sich einen Termin mit der Klassenlehrerin ausmachen, um über sein Kind zu sprechen, wenn man das möchte. Bei der Abgabe bzw. beim Abholen ist wenig Zeit, um über sein Kind zu diskutieren. Sollten Probleme verhaltenstechnischer Art auftreten, wird man ohnehin um ein Gespräch gebeten. Ist bei uns nie vorgekommen und der Dialog hat mir schon gefehlt. Ein Entwicklungsgespräch hätte mir geholfen. Obwohl ich es auch gut finde, mein Kind einfach so sein zu lassen, wie es ist und es nicht irgendwie gezielt zu fördern. Die Kindheit ist viel zu kurz, in Frankreich noch viel kürzer. Es gibt bereits einen Lehrplan in der Ecole Maternelle, tzzzz.

30.03.15

André Stern "....Und ich war nie in der Schule - Geschichte eines glücklichen Kindes"


Ich habe dieses Buch verschlungen. Es handelt nicht vom Home-Schooling, sondern davon, Kindern die Möglichkeit zu geben, nach Ihren Interessen und Bedürfnissen zu lernen, bzw. sie lernen zu lassen, was sie möchten. Ein revolutionäres Prinzip. Unglaublich. Mutig. 


Deshalb mutig, weil die Eltern vollstes Vertrauen in ihre Kinder haben, dass diese schon alles zum Leben Nötige allein lernen werden, natürlich mit Hilfestellung ihrer Eltern, die Ihnen je nach Bedürnis die Möglichkeit eröffnen, Bücher zu kaufen, Handwerkszeug zu beschaffen, Unterricht z.B. beim Tanz- oder Gitarrenlehrer zu nehmen. Zur Realisierbarkeit dieses Projektes sollte zumindest ein Elternteil zu Hause sein bzw. von zu Hause aus arbeiten, und sei es nur zur Beaufsichtigung zumindest kleinerer Kinder. Laut André Stern braucht es nicht besonderer finanzieller Ressourcen, um diese Idee zu verwirklichen. Einfach nur für die Kinder da sein, aufmerksam sein, Fragen beantworten, Interessengebiete erforschen lassen, Materialien zur Verfügung stellen. Kurz: alles tun, damit das Kind das jeweilige Interessengebiet in vollem Umfang erforschen kann. Was besonders interessant an diesem Buch ist: es bedarf keines Lehrplanes, keiner Lehrbücher oder Unterrichtsstunden, um z.B. Lesen oder Schreiben zu lernen.
Und wie kann ich diese Theorie für uns nutzen? Meine Kinder gehen in die Schule, die Frage stellt sich nicht. Bei uns sind beide Elternteile ausser Haus berufstätig, wir müssen die Standardisierung des Lernens (leider) in Kauf nehmen. Aber die Schule betrachte ich jetzt mit anderen Augen. Unsere Kinder werden in altersmässige Schablonen gepresst und bewertet und es kann schon mal vorkommen, dass eines nicht in die Standards passt. Da bleibe ich jetzt (hoffentlich) gelassen, wenn es vorkommen sollte. Ausserhalb der Schule versuche ich, so gut es geht auf meine Kinder einzugehen, Interessen zu erspüren und deren Realisierung zu ermöglichen.
Lest dieses Buch unbedingt, wenn Euch das Thema "Motivation zum Lernen" am Herzen liegt!

25.03.15

ein typischer Tag beginnt...


Es ist 6:00 Uhr. Mein Sonnenaufgangssimulator geht auf die erste Beleuchtungsstufe, die es gerade eben ermöglicht, die Konturen unseres Schlafzimmers zu erkennen. Leider bin ich schon wach. Wenn ich Glück habe, werde ich erst richtig wach, wenn der Wecker um 6:20 Uhr zwitschert. Heute eben nicht. Ich kann mich trotzdem glücklich schätzen, der kleine Spatz war nicht schon gegen 5 Uhr putzmunter und wollte noch nicht mit Mama kuscheln.
Ich warte bis 6:20 Uhr und überlege krampfhaft, was ich anziehe heute. Es wird immer schwieriger. Die Schere zwischen Klamotten, die ich nicht mehr ins Büro anziehen kann und Neuanschaffungen klafft immer weiter auseinander. Auf der anderen Seite ist es auch nur ein Büro ohne direkten Kundenkontakt und der Job ist nicht besonders gut bezahlt. Übertreiben sollte man es auch nicht. Um in der Berufswelt erfolgreicher zu sein, sollte ich vielleicht doch mehr in Klamotten investieren. Kleider machen Leute. Ich werde aus meinen Überlegungen gerissen, es ist Zeit aufzustehen. Ich wecke die grosse Maus. Sie braucht immer besonders lange, um wach zu werden. Der Papa duscht und bereitet das Frühstück zu. Er hat den leichteren Job morgens. Ich ziehe mich an, gehe ins Bad, schminke mich und öffne zeitgleich die Tür des Zimmers des kleinen Spatzen, damit schon etwas Licht zu seinem Bett dringt und er langsam aufwacht. Meistens ist er gut gelaunt. Heute nicht. Es dauert insgesamt ca. 20 Minuten: Schlafanzug ausziehen, Windel wechseln (wir sprechen momentan das Thema Toilette nicht mal an auf Anraten unserer Krippenerzieherin), kurze Diskussion zum T-Shirt und zu den Strümpfen (die "Bob der Baumeister"-Strümpfe oder die mit den Fröschen?), kurzes An-den-Tisch-Setzen und  Oster-Aufkleber aufkleben bis schliesslich zum vollständigen Anziehen. Ich kehre ins Bad zurück, um meine Kriegsbemalung zu beenden. Ach, noch kurz ein Blick ins Zimmer der grossen Maus: Oh, sie hat schon die Schlafanzughose ausgezogen! In insgesamt 25 Minuten. Ich kann mich dazu überreden, ruhig zu bleiben und weise darauf hin, dass wir in Kürze frühstücken. Glücklicherweise haben wir die Sachen am Vortag schon rausgelegt, sonst würde es  noch länger dauern. Wir schaffen es zum Frühstückstisch und haben Glück: der kleine Spatz ist gut gelaunt und isst sogar seinen Obstsalat. Passiert auch nicht jeden Tag. Wir liegen gut in der Zeit, auf zum Zähneputzen. Anziehen. Ankunft in der Tiefgarage, wir sind fast am Auto, als die grosse Maus umdreht: sie hat ihr Lippenbalsam vergessen. Ich sage, dass wir jetzt los müssten und wir keine Zeit hätten. Sie müsse halt bis zum Nachmittag warten. Grosse Tränen, wir sind böse Eltern und würden ihr nie Zeit lassen, deshalb hätte sie es vergessen, sie hätte nicht genug Zeit gehabt etc. Ich checke die Uhrzeit und stelle fest, dass ich gut in der Zeit liege. Wow, 5 x das Wort "Zeit" in 5 Zeilen! Scheint ein wichtiges Wort zu sein. Kinder ins Auto verfrachtet, kurz in die Wohnung gesprintet, Lippenbalsam geholt. Tochter glücklich. Schule: Tochter wird ausgeladen. Krippe: Sohn wird ausgeladen. Kein Abschiedsschmerz. Sein bester Freund ist da und ich bekomme grade mal einen Abschiedskuss. Klasse. Ich schwinge mich auf's Fahrrad und die zweite Phase des Tages ohne Kinder beginnt: ich fahre ins Büro. Ein typischer Tag nimmt seinen Lauf....

03.03.15

Frankreich im Hintertreffen: wann wird endlich die körperliche Züchtigung von Kindern verboten?

Der Europarat muss am Mittwoch, 11. März auf ein vollständiges Verbot körperlicher Züchtigungen von Kindern in Frankreich in Übereinstimmung mit der Europäischen Sozialcharta entscheiden.
François-Michel Lambert, Stellvertreter der EELV, hoffe sehr, dass der Europarat Frankreich verurteiltseine Rechtsvorschriften endgültig und effektiv zu ändern und jegliche Züchtigung von Kindern zu untersagen.
Bei dieser Gelegenheit, und 25 Jahre nach der Unterzeichnung des Übereinkommens über die Rechte des Kindes, sei Frankreich das "Armenhaus Europas" bezüglich der "pädagogischen" Gewalt gegenüber Kindern.
In Frankreich stießen 2009 Pläne einer Abgeordneten der konservativen Regierungspartei UMP auf erheblichen Widerstand, Eltern das Schlagen von Kindern zu verbieten. Selbst die frühere First Lady und Mutter zweier Töchter, Bernadette Chirac, findet den Vorschlag "lächerlich". In der Schule ist aber die köperliche Züchtigung seit 1991 ausdrücklich per Verordnung des Bildungsministeriums untersagt.
Ich bin begeistert, dass diese Disskussion hier aufkommt. Auf meiner Arbeitsstelle gibt es leider noch viele Menschen, die das Ganze herunterspielen. Eine Ohrfeige hätte  doch niemandem geschadet, vom Hintern versohlen sei noch niemand gestorben und so weiter und so fort. Da stellen sich mir die Haare zu Berge. Ich verschicke Links zu Artikeln im Internet, um besagte Personen wachzurütteln, merke aber, dass ich mal wieder an Grenzen stosse, die wehtun. Wenn das Gegenüber nicht genügend Offenheit besitzt, sich ernsthaft in Frage zu stellen und mit dem Thema auseinanderzusetzen, komme ich mir irgendwie so machtlos vor. "Ich prügele mein Kind doch nicht" wird dann heruntergespielt, "aber irgendwie muss ich ihm doch zeigen, dass er das nicht darf und dass das gefährlich für ihn ist". Schon, aber es geht doch anders! Personen, die nicht offen sind, denen kann man wahrscheinlich die Augen auch nicht öffnen. Aber ich gebe nicht auf. Ich diskutiere immer weiter. So bin ich halt.
Dazu noch ein Artikel aus dem Spiegel: Europarat-Rüge wegen Prügelstrafe.

18.02.15

Das Kleinkind weiss, was das beste für es ist

„Das Kleinkind weiss, was das beste für es ist. 
Lasst uns selbstverständlich darüber wachen, dass es keinen Schaden leidet. 
Aber statt es unsere Wege zu lehren, lasst uns ihm Freiheit geben, 
sein eigenes Leben nach seiner eigenen Weise zu leben.“

Maria Montessori


Gar nicht so einfach in die Praxis umzusetzen, immer mal wieder ins Gedächtnis rufen!

04.02.15

Ein Mama-Zeugnis für die Kids

Also, berlinmittemom hat damit angefangen und jetzt lese ich stadtlandmama , wie sie ihren Kiddies ein Zeugnis ausstellt. Das will ich auch. Irgendwie finde ich das wichtig und toll.
Also:


Was Deine Noten nicht sagen

Für meine grosse Maus:
Vor-und Nachname:  ******                           Alter: 7 Jahre alt
Geboren am: 9. Januar 2008                             in: Nizza/Frankreich

Was die Lehrer nicht über Dich wissen:
-         Du bist sehr kreativ und phantasievoll, das ist in der Schule leider nicht gefragt.

Ich platze vor Stolz, wenn ich sehe:
-         Wie Du zum ersten mal allein als unaccompanied minor mit der Lufthansa nach Deutschland geflogen bist und dass, ohne mit der Wimper zu zucken!
-         wie schnell Du schwimmen gelernt hast und Dich immer weiter verbesserst,
-         wie gut Du nun schon rollerbladest;
-         wie gut Du nun schon seit Jahren Fahrrad fährst;
-         wie intelligent Du bist und sooo schnell lernst: und das in französisch und deutsch fast parallel!
-         Wie Du Dich immer besser gegen Deinen kleinen Bruder durchsetzen kannst.

Darüber ärgere ich mich:
-         Deine Langsamkeit und Verträumtheit jeden Morgen, wenn es darum geht, sich zu beeilen!
-         Dass Du Dich manchmal leicht entmutigen lässt und alles hinschmeissen willst!
-         Dass Du Deinen Bruder zu Dummheiten anstiftest!

So würde ich Dich mit wenigen Worten beschreiben, wenn mich jemand fragt:
-         Du liebst es zu singen und zu albern, was das Zeug hält!
-         Du bist so phantasievoll und ständig dabei, etwas zu malen, zu basteln, zu werkeln, zu schaffen;
-         Du bist einfühlungsvoll und offen für andere, hilfsbereit, selbstlos und unvoreingenommen gegenüber anderen.

Die Welt wäre soviel ärmer ohne Dich, weil:
-         Dein sonniges Gemüt einfach fehlen würde.


Ich bin so stolz auf Dich.

Deine Mama                                                                            Datum: 04. Februar 2015


Für meinen kleinen Spatz:
Vor-und Nachname: ******                        Alter: 2 3/4 Jahre alt
Geboren am: 23.April 2012                          in: Eysines/Frankreich

Was die Erzieher nicht über Dich wissen:
-         wie anhänglich und liebevoll Du mit mir, Papa und Deiner Schwester sein kannst.

Ich platze vor Stolz, wenn ich sehe:
-         Was Du für ein durchsetzungsfähiges und energiegeladenes Kerlchen bist;
-         Wie gut Du Dich entwickelst;
-         Wie schlau Du schon bist, denn Du gehst in der Krippe auf die Toilette, aber zu Hause nicht, weil Du noch ein wenig das Baby der Familie bleiben möchtest;
-         Wie gut Du Dich schon konzentrieren und lange allein spielen kannst.

Darüber ärgere ich mich:
-         Wenn Du Deine Schreianfälle bekommst, wenn etwas nicht so läuft, wie Du es willst.

So würde ich Dich mit wenigen Worten beschreiben, wenn mich jemand fragt:
- Du bist der charmanteste und witzigste kleine Junge, den ich kenne, mit Deinem Charme wickelst Du alle um den Finger! Du liebst es zu schmusen, aber auch ein richtiger Rabauke zu sein, Du bist ein Energiebündel, noch mehr als ein Duracell-Häschen. Du hörst nie auf und bist doch gleichzeitig so unwiderstehlich.

Die Welt wäre soviel ärmer ohne Dich, weil:
- Dein ansteckendes Lachen so sehr fehlen würde.

Ich bin so stolz auf Dich.

Deine Mama                                                                            Datum: 04. Februar 2015





08.01.15

Terrorakt: wie erkläre ich es meinem Kind?

07. Januar 2015
In den Räumen der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hat es ein Massaker gegeben. Es ist 11:30 Uhr: Zwei vermummte Männer verschafften sich durch eine Angestellte der Zeitschrift Eintritt ins Gebäude, stürmten mit Kalaschnikows bewaffnet in das Büro. Jeder Einzelne durfte seinen Namen nennen und wurde dann kaltblütig abgeknallt. Zwölf Menschen starben. Das Sondereinsatzkommando jagt jetzt die Täter. Der jüngste Verdächtige, ein Helfer des Attentats, hat sich ergeben. Er ist 18 Jahre alt.

08. Januar 2015
Spiegel online : „Das Attentat von Paris könnte ein Wendepunkt sein: Wenn Europa nicht aufpasst, droht tatsächlich der Kampf der Kulturen, von dem manche verbohrten Ideologen träumen...Der Kampf einiger hasserfüllter Islamisten gegen den Westen hat an diesem traurigen Tag eine neue Qualität erreicht. Der Angriff auf eine Zeitungsredaktion, die sich stets kritisch mit dem Islamismus auseinandergesetzt hat, ist ein Anschlag auf den Kern der westlichen Gesellschaften: die Meinungsfreiheit, den Pluralismus, die Toleranz. Es ist ein Anschlag auf uns alle.“

Was soll darauf folgen? Ein Kampf der Kulturen? Aber das ist es ja genau, was die islamischen Terroristen bewirken wollen. Hass mit noch mehr Hass beantworten. 

Wie erklärt man das alles seinen Kindern? Die natürlich zwangsläufig etwas davon mitbekommen...
Die grosse Maus wollte wissen, warum? Was soll ich sagen: Warum? Das frage ich mich ja selbst....Journalisten, die sich über Gott und die Welt,  über den Islam wie über den Papst und Gott weiss wen lustig machen und satirische Bilder zeichnen, die wachrütteln sollen oder einen schmunzeln lassen. Da sage ich nur: „Ziel verfehlt“. Die waren doch nicht wirklich gegen Euch? Habt Ihr das nicht mal verstanden? Nein, sehr wahrscheinlich nicht. Wer es wagt, sich über den Propheten lustig zu machen, muss sterben. Ein Terrorakt gegen einen Politiker wäre ja noch irgendwie mit einer gewissen Logik verbunden gewesen...

Mit einfachen Worten haben wir ihr erklärt, was Journalisten sind und dass diese Journalisten Bilder gezeichnet und sich über eine Glaubensrichtung lustig gemacht haben, aber dass sie nicht gegen diese Glaubensrichtung sind, sondern sich über alles und jeden lustig machen. Und dass man in unserem Land das Recht dazu hat und es niemandem das Recht gibt, jemandem anderen wehzutun geschweige denn ihn umzubringen bzw. Und warum haben sie es dann gemacht? Aus Hass. Warum sie das Land hassen, in dem sie aufgewachsen sind? Das weiss ich nicht, meine Maus....Und was jetzt? Was tun wir jetzt? Wir finden die Übeltäter und stellen sie vor Gericht, weil das genau macht man mit Menschen, die soviel Böses tun.

Wir haben ihr nicht von unseren Ängsten und Befürchtungen erzählt, was nun vielleicht passieren könnte...heute Morgen wurden in der Pariser Region 2 Polizisten attackiert. Genaues weiss man noch nicht. Gibt es einen Zusammenhang?

Wie soll es weiter gehen in dem Land, das die grösste Muslimengemeinde Europas hat? Lässt man die Extremisten weiter nach Syrien zur Terroristenausbildung aus- und dann wieder einreisen? Was ist menschenrechtlich vertretbar? Bis die beiden Hauptverdächtigen gefasst werden: werden sie nicht den Märtyrertod bevorzugen und noch ein weiteres Attentat dranhängen, um als „Helden“ in die Geschichte einzugehen? 

Wird es Antworten von der anderen Seite darauf geben? Eins ist sicher: François Hollande hat jetzt wirklich Marine Le Pen im Nacken und letztere bekommt noch mehr Rückenwind.

Jetzt kann man nur auf die ausreichende Intelligenz des grössten Teils der Bevölkerung hoffen.

 

07.10.14

Von EINS auf ZWEI – eine folgenschwere Entscheidung


Das habe ich mir anders vorgestellt, schreibt schon die Herzmutter und ich kann ihr nur zustimmen. Und noch eins draufsetzen:
Als sich die Grosse Maus ankündigte, hatten wir natürlich nicht die leiseste Ahnung, was uns da erwartete. Nach dem ersten Jahr der Strapazen und des holprigen Erlebnisses, Erstlingseltern zu sein, wurden wir etwas sicherer in unserer Entscheidung, eine Familie zu werden. Alles spielte sich ein, der Papa bekam auch endlich die Rolle, die ihm zustand. Natürlich verhielt er sich wie die Mehrheit der Vertreter des männlichen Geschlechts während der Schwangerschaft zwar interessiert aber dennoch distanziert. Die Literatur verschlang ich, nicht er. Dann kam das Stillen und das konnte er mir ja nun auch nicht abnehmen. Die ersten drei Jahre vergingen wie im Flug, wir fanden zurück zu uns als Paar. Naja, bis auf ein paar Kleinigkeiten. Wir wollten – Gottweisswarum – ein zweites Kind. Nichtsahnend dachten wir, dass der Sprung von Eins auf Zwei ja dann eigentlich nicht mehr so gross sein konnte. Nun ja, wir wurden eines Besseren belehrt. Die Grosse Maus war ein Anfängerkind, der Kleine Fratz ist etwas für Fortgeschrittene um nicht zu sagen Meister ihrer Disziplin. Ich habe allerdings weder Erziehungswissenschaften studiert noch weiterführende Erfahrungen mit Geschwisterkindern – ich bin Einzelkind. Am Anfang lief alles wie am Schnürchen: Traumgeburt bei uns zu Hause, Stillen ohne die leisesten Probleme, Tragen etc. Die Eifersüchteleien fingen zeitig an. Haben uns sagen lassen, dass es wohl nie aufhört. Geschwister eben. Wie sieht das praktisch aus? Ich sage nur: Lärmpegel. Der eine will immer das, was der andere in der Hand hat. Ist eine goldene Grundregel. Wir wohnen leider nicht in einem Eigenheim, was dazu führt, dass die Nachbarn wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn der Sohnemann morgens gegen 5:30 Uhr aus Leibeskräften brüllt. Oder am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr die Türen knallt. Ausserdem: Prinzipiell stürzen sich beide Kinder auf mich, wenn ich den Telefonhörer auch nur in die Hand nehme. OK, sage ich mir dann, dann telefoniere ich eben, wenn ihr im Bett seid. Rein theoretisch geht das schon. Praktisch gibt es aber keinen Fleck in der Wohnung, der nicht an eines der Zimmer der Kinder angrenzt. Der Kleine Fratz ist sehr hellhörig. Er wacht sofort auf, wenn ich nicht in den Telefonhörer flüstere. Da hat man keine Lust mehr zum Telefonieren. Wenn wir, der Papa und ich, über irgendetwas diskutieren müssen, verstehen wir in der Regel unser eigenes Wort nicht mehr. Und da sollte noch einer sagen, es gehe laut bei uns zu, tssst. Wenn wir diskutieren wollen, müssen die Kids im Bett sein. Nur dann sind wir meistens zu müde zum Diskutieren. 
Nun ja, man kann (und will) weder die Grosse Maus noch den Kleinen Fratz wieder zurückgeben, wenn man nur könnte. Man liebt sie ja abgöttisch. Aber irgendwie hätte mich ja mal einer vorwarnen können, nech?

09.09.14

Teil 2: Wie lebt man im Himmel?

Und wir diskutieren weiter über den Tod, die Tochter und ich.
Tochter: Wenn Ihr da oben seid (AdR: im Himmel), dann wartet gleich beim Loch auf mich, damit ich Euch finde, wenn ich komme.
Ich: Natürlich, meine Maus. Wir sind immer für Dich da.
Tochter: Kann man von den Wolken runterfallen?
Ich: Nein.
Tochter: Wo wohnt und schläft man dort oben?
Ich: Du kommst in ein grosses Reich für alle und schlafen brauchst Du nicht mehr.
Tochter (verwundert): Bin ich dann wieder Kind?
Ich: Nein. Du behältst das Alter, in dem Du in den Himmel kommst, Du wirst aber nicht älter.
Tochter: Ich will aber immer Kind sein #bockigesgesichtmach.
Ich: Das ist jetzt aber kein aktuelles Thema. Du lebst erst mal noch ganz viele Jahre auf dieser Erde.
Tochter: Hmmm.
Ich warte auf die Fortsetzung des Gesprächs.

Eure Kinder sind nicht eure Kinder



Ein sehr schönes Zitat, das uns daran erinnert, dass unsere Kinder nicht nach unseren Wünschen geformt werden und nicht unsere Erwartungen erfüllen sollen.

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

08.09.14

Essen mit einem Trotzkopf: das Frühstücks-Roulette


Essen mit einem Trotzkopf. Es fängt morgens schon an: das Frühstücks-Roulette.
Wenn der Herr Sohn sich dann endlich zum Esstisch begibt, nach einigen Zwischenstationen in Schwesters Gemach, in seinem eigenen Zimmer, um seine Autokiste ins Wohnzimmer zu transportieren und dort sämtliche Matchbox-Autos auszupacken und dann schliesslich nach mehreren Aufforderungen seine Schritte gen Esstisch lenkt: dann geht es erst richtig los.
Er wird auf seinen Stuhl gesetzt, das scheint ihm nicht immer zu gefallen.
OK, dann eben wieder runter. Ist auch nicht gut. OK, dann wieder hoch, jetzt geht es schon ein wenig besser. Er zetert noch, aber leiser.
Papa will Obstsalat in seine Schüssel tun, Gemach! Was der Herr Sohn nicht selbst zum Verspeisen gewählt hat, wird unwirsch mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt. Das war knapp. Die Obstschüssel konnte gerade noch abgefangen werden.
Gut, der Herr möchte Müsli. Er möchte es sich selbst in die Schüssel tun, das ist aber schwierig, da die Müslibüchse etwas voll ist. Da wir keine Lust haben, das Müsli über den gesamten Esstisch zu verstreuen, wird Hilfe angeboten. Mit dem üblichen Geschimpfe landet Schokomüsli in seiner Schüssel. Beflissentlich möchte man ihm Milch einschenken, Gemach! Heute vielleicht Müsli ohne Milch. Aber Milch doch bitte in das Glas, Mensch eh echt. 
Das Frühstücks-Roulette eben: erst Obstsalat und dann Müsli, oder erst Müsli und dann Obstsalat, oder überhaupt keinen Obstsalat. Müsli mit Milch. Müsli ohne Milch. Milch im Glas, damit Herr Sohn es in die Schüssel giessen kann, was natürlich nicht ohne Schaden abgeht, aber wen stört das noch. Oder gar keine Milch. Möchtest Du noch Milch, mein Sohn? – Unwirsches: „Non“. Dann bringe ich jetzt die Milchflasche in die Küche – Geschrei! Aber doch, er will noch Milch.
Er spielt mit dem Essen. „Willst Du nicht mehr essen?“ – „Non“ (AdR: Lieblingsantwort des Sohnemanns). Man wage es, ihm den Teller/die Schüssel einige Zentimeter zu entziehen- Gezeter.
Ich überdenke meine Vision, alle Mahlzeiten müssten gemeinsam und in Familie eingenommen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass ich in naher Zukunft wegen eines Magengeschwürs gar nichts mehr esse.
Und dann geht es Richtung Auto. Auch schön. Rücken schön durchdrücken, vielleicht kann der Transport in irgendeiner Art und Weise verhindert oder zumindest verzögert werden.
Wann war das nochmal vorbei mit dem Trotzalter?

Mit einer 6-jährigen über Krebs diskutieren


Mit einer 6-jährigen über Krebs diskutieren, das geht so:
Tochter: Rocky (AdR: unser vor 3 Jahren verstorbener Hund) war sehr krank, als er gestorben ist, nicht wahr?
Ich: Ja, mein Mäuschen.
Tochter: Wir haben nicht richtig aufgepasst und deshalb ist er krank geworden, stimmt’s?
Ich: Nein, so einfach ist das nicht. Rocky war nicht erkältet und hatte Schnupfen und Husten oder so was, er hatte eine schwere Krankheit. Diese Krankheit nennt man Krebs. Man kann nicht viel dagegen tun, man bekommt es einfach. Das sind ganz böse Keime, die sich im Körper festsetzen und ihn von innen auffressen.
Tochter (verängstigt): Da muss man gleich zum Arzt gehen, stimmt’s?
Ich: Ja, haben wir ja auch gemacht mit Rocky. Nur war es schon zu spät. Er war zu krank.
Tochter: Warum sind wir dann nicht eher mit ihm zum Arzt gegangen?
Ich: Weil wir es nicht eher gemerkt haben. Rocky hat es auch nicht gemerkt. Er hatte erst Schmerzen, als es schon zu spät war.
Aber es ist nicht immer zu spät. Oma z.B. hatte auch Krebs, aber der Arzt hat es rechtzeitig bemerkt und jetzt ist sie wieder gesund.
Tochter: Wenn Ihr (Mama & Papa) irgendwas, aber auch irgendwas merkt, müsst Ihr gleich am nächsten Tag zum Arzt gehen, versprichst Du mir das?
Ich: Ja, mein Mäuschen.

21.07.14

Zum ersten Mal "unaccompanied minor"



 
  

Alles ist bestens gelaufen. Die Grosse ist zum ersten Mal als „unaccompanied minor“ geflogen. Kurzer Bericht:
Am 16. Juli sind wir alle 4 um 5 Uhr morgens Richtung Toulouse losgefahren. Um Sprit zu sparen, fährt der Papa nicht die Maximalgeschwindigkeit, er ist eher ein gemütlicher Fahrer. Startzeit des Fluges war 8:55 Uhr. Papa sieht das relaxt. Wir kamen kurz vor 8 Uhr am Flughafen an und er meinte, es wäre kein Problem, das Auto im günstigeren, für längere Parkzeiten zu nutzenden Bereich abzustellen und dann den Shuttle zum Flughafen zu nehmen. Ommm. (Anmerkung: beim Ticket bezahlen erfuhren wir dann, dass es dort für kürzere Parkzeiten gar nicht günstiger ist...nicht zu vergessen für’s nächste Mal).

Ich war schon ziemlich gestresst, habe aber an mich gehalten und gewähren lassen. Am Check-In Schalter waren wir 8:05 Uhr. Die Dame, die die Kinder abholt sollte 10 Minuten später in den uns zugewiesenen Bereich kommen. Da haben wir schnell unsere Sandwichs rausgeholt und flux gefrühstückt (Anmerkung: der Papa wollte eigentlich noch zum Frühstücken auf der Autobahn anhalten, glücklicherweise hat er davon abgesehen). Dabei mit dem Papa eines 8-jährigen Mädchens gesprochen, dass auf den Weg nach Rumänien gehen sollte. Das dritte Kind war ein etwas älterer Junge, dessen Eltern bei Airbus in Toulouse arbeiten. 

Zu dem Zeitpunkt beruhigte mich die Tatsache, dass noch zwei weitere Kinder mit von der Partie waren. Später erfuhr ich, dass die Kinder
ohnehin getrennt sitzen. Doof. Aber verständlich. Auf einem Haufen machen sie meist Blödsinn. Zu vermeiden in einem Flugzeug.

Jedenfalls kam dann der Trennungsmoment, vor dem ich etwas Angst hatte, weniger wegen mir, ich kann mich vor meiner Tochter schon noch beherrschen. Aber ein „Oh nein, ich will doch nicht allein fliegen“ fehlte mir jetzt gerade noch. Von all dem kam nix. Fräulein ging ganz routiniert heran, als hätte sie nie etwas anderes getan. Kein Abschiedsschmerz.

Dann im Auto ging es mir aber richtig schlecht. Während der ganzen Fahrt „überwachte“ ich den Flug: Ankunft in München 10 Minuten eher, Abflug nach Leipzig pünktlich. Und zwischendurch verzweifeltes Heulen. Ich hatte meine Tochter alleine gelassen. Wenn irgendetwas passiert, ist sie alleine. Wenn ein in Lufthansa-Uniform verkleideter Mann sie entführt, bin ich nicht da. Gegen 12 Uhr waren wir wieder zu Hause. Mittagessen mit dem kleinen Fratz. 

12:34 Uhr Landung in Leipzig. 12:40 Uhr. 12:45 Uhr. 12:50 Uhr. 12:55 Uhr. Jetzt müsste sie aber langsam mal raus sein, warum ruft mich keiner an? 13:00 Uhr. Ist irgendwas passiert? Ich lege mich auf’s Bett und fange an zu meditieren. 13:05 Uhr. 13:07 Uhr: der Papa wirft mir das Handy auf’s Bett und sagt: „Ruf an!“ Ich tue das und Mutti sagt ganz fröhlich: „Wir sind fast zu Hause angekommen!“ NA SUPER.

Die ersten Tage bei Oma und Opa sind nachdem, was ich weiss, reibungslos verlaufen. Baden am See, Theater im Zoo, heute Kindergarten-Start und am Nachmittag Kino. Sie fehlt mir nur ziemlich, meine Grosse. Aber was für einen grossen Schritt hat sie da getan.


27.03.14

Fasching und andere Elternfreuden

Bevor ich Mutter wurde, war mir Fasching egal. Als die grosse Maus noch ganz klein war, auch noch. Aber spätestens mit dem ersten Prinzessinnenkleid war es vorbei.
Dann habe ich genau in dem Moment entschieden, mich dem Elternbeirat anzuschliessen, als es darum ging, den "Carnaval" zu organisieren. Ich musste also ausserdem noch Verkleidungen für die ganze Familie finden.
Der kleine Fratz war einfach: zum Thema "Superheros" fiel mir Spiderman ein. Für die grosse Maus war es dann schon schwieriger. Und noch schlimmer: Als Nähmaschinenanfängerin muss ich Kostüme nähen....ich bin Autodidakt. Unnütz zu erklären, vor welche Aufgabe mich das stellte. Das Ergebnis konnte sich dann doch sehen lassen: Supergirl war jedenfalls zufrieden.

Meine Grosse hat Probleme mit dem "Über-Ich"

Wir gehen jetzt zum Kinderpsychologen. Die grosse Maus hat ein Problem mit uns. Wir als Eltern sind zu dominant.

Der Begriff "Über-Ich" bezeichnet nach Freud jene psychische Struktur, in der soziale Normen, Werte, Gehorsam, Moral und das Gewissen angesiedelt seien. Sie seien vor allem durch Erziehung erworben und spiegeln die von außen an das Kind herangetragenen, verinnerlichten Werte der Gesellschaft, insbesondere der Eltern wider.

Die Entwicklung des Über-Ichs gehe einher mit der des Ichs, da ein verständlicher Zusammenhang einerseits zwischen der elterlichen Anerkennung und Bewunderung bestehe, die zur Ich-Stärkung führe, und andererseits der Billigung, die aus der Befolgung elterlicher Normen und Prinzipien erwachse. Das Über-Ich des Kindes könne sich allerdings auch gegen die Eltern richten, indem es sich gewissermaßen „für den Ungehorsam“ entscheidet („Trotzphase“).

Das "Über-Ich" der grossen Maus ist sehr dominant, sie stellt dadurch viel zu hohe Ansprüche an sich selbst, die meist dazu führen, dass sie nicht erreichen kann, was sie sich zum Ziel gesetzt hat. Dadurch verliert sie auch schnell die Lust, weiterzumachen. Geduld wird nicht geübt. Und das Selbstbewusstsein, das Schätzen des eigenen Wertes geht völlig unter. Wir müssen Ihr helfen. Wir haben etwa 2 Jahre Zeit. Das "Über-Ich" würde dann wohl ziemlich feststehen und kann dann immer schwerer wieder geändert werden.
Wir müssen verhindern, dass es zu einer Depression kommt, dessen Kern das herabgesetzte Selbstwertgefühl ist, das seine Ursache in einem aggressiven Konflikt hat.

Ein grosses Stück Arbeit und (Selbst-)Disziplin liegt vor uns. Vor allem der Papa der grossen Maus muss zum Psychologen gehen um zu vermeiden, seine persönlichen (ziemlich negativen) Erfahrungen mit seinem Elternhaus an seine Kinder weiterzugeben.

Dazu kann ich nur sagen: überlegt Euch gut, wer der Vater/die Mutter Eurer Kinder wird.

05.12.13

Die Grosse Heulsuse


Duden : Heul­su­se, die,Wortart: Substantiv, feminin, Gebrauch: umgangssprachlich abwertend, Worttrennung: Heul|su|se,Verwandte Form: Heulliese,Bedeutung: weibliche, seltener männliche Person, die leicht zu weinen beginnt, häufig weint






Meine Grosse ist zu einer Heulsuse mutiert. Weiss nicht genau, seit wann, aber es hält schon eine Weile an. Sie ist bald 6. Es gibt viele Situationen, die unvermeidbar zu einem Schluchzanfall führen. Gestern im Auto nach dem Hort. Situation: Das rote Elternheft (darin werden alle wichtigen Übertragungen an die Eltern und von den Eltern an die Schule eingetragen) ist verschwunden. Die Grosse sagt: „Du hast mir das rote Elternheft nicht gegeben.“ Ich sage: „Doch, erinnere Dich: ich habe unterschrieben und es Dir in die Hand gegeben, damit Du es wieder in Deinen Rucksack tust. Das war am Montag.“ Sie: „Schluchz, oh nein, ich habe es verloren, würg, heul.“Ich: „Nein, so weine doch nicht. Wir suchen es zu Hause und wenn wir es nicht finden, rede ich mit Deiner Lehrerin, es kann ja auch in der Schule verloren gegangen sein.“- „Oh nein, es ist für immer verschwunden, heul, schluchz.“

Wir suchen es immer noch. Es scheint tatsächlich verschwunden zu sein. Daraufhin hat die Grosse ein Heft gebastelt. Man muss dazu sagen, dass das Original eine handelsübliche A5-Heftausgabe mit einem roten Umschlag ist.  Die Grosse hat mehrere kleine Schmierblätter mit einem Prittstift zusammengeklebt und die Ober-und Unterseite mit rotem Buntstift ausgemalt. Ich sage: „Das ist aber schön, dass Du ein Heft gebastelt hast. Ich glaube aber, dass Deine Lehrerin Dir ein neues aus der Schule geben wird“. – „Schluchz.Heul. Oh nein, ich habe doch das Heft verloren, da muss ich doch ein neues Heft bringen.“ Es werden rote Flecken auf ihrem Gesicht und ihrem Hals sichtbar. – „Wenn Du ein neues Heft bringen sollst, dass kaufen wir eins und Du kannst Dein schönes Heft zu Hause behalten“. Hmmm. Weitere Heulattacke unterbunden.

Ich wende mich der Hausarbeit zu, es vergehen etwa 2 Minuten, bis ein lautes Weinen ertönt. Ich (leicht genervt) gehe dem Weinen nach und sehe die Grosse auf der Erde sitzen und sich den Kopf halten. Was ist passiert? Nun, der kleine Terrorzwerg hat ihr unvermittelterweise eine drübergebraten. Ich schaue, ob ich Blut o.ä. sehe, ist aber nix. Ich sage: „Tut es noch weh?“ – „Ja, wein, schluchz“. „Lass Dir nicht alles von dem Kleinen gefallen, ich werde ihm sagen, dass er Dich nicht hauen darf, aber trotzdem: lass es Dir nicht gefallen“.

Oft auch schon auf dem Schulhof gesehen: Ein anderes Kind tut ihr weh, sie rennt postwendend zur Aufsichtsperson, um mit weinerlicher Stimme zu petzen „Clément hat mich gehauen“. Woher hat sie das nur? Ich bin zwar dafür, die Erwachsenen über gewalttätige Kinder zu informieren, andererseits sich aber auch nichts gefallen zu lassen. Die Grosse gehört eher zur Sparte „Ich lass mir alles gefallen und heule dann einfach, vielleicht hat dann mein Gegenüber Mitleid.“
Das funktioniert hauptsächlich, um andere Familienmitglieder (ausser den Kleinen, der findet es lustig, wenn seine Schwester weint) zu erpressen, um ihr a) beim Aufräumen zu helfen („muahmuah, ich habe meinen Klebestift verloren, muahmuahmuah. Ich brauche ihn doch unbedingt, um fertig zu basteln, muahmuahmuah...“ rettende Antwort: „Weine nicht, wir räumen auf und dabei finden wir ihn bestimmt.“ Oder: „Räum bitte Dein Zimmer auf, ich helfe Dir auch!“ Antwort: „Schluchz, heul, NEEEIN, nicht die Playmobils verrücken (die überall auf dem Boden in einer nicht erkennbaren Logik verteilt sind), muahmuahmuahhaaa!“) b) Es ist morgens, ich öffne die Zimmertür und rufe fröhlich: „Guten Morgen, hast Du gut geschlafen?“ Die Grosse liegt im Bett, hat das erste Auge geöffnet und erspäht eine Jeans in meinen Händen, die sie anziehen soll. Ohne ein „Guten Morgen“ oder ähnliche nutzlose Floskeln zu betonen, fängt sie direkt an, zu greinen: „Ich ziehe diese Hose nicht an, NEIN, schluchz. Ich will mein Kleid anziehen, wein, schluchz“ „Es wird sehr kalt heute, ich fände es besser, wenn Du Dich warm anziehen würdest“ – „Schluchz, grummel, wein“ – „Du kannst gern morgen wieder Dein Kleid anziehen, da wird es nicht ganz so kalt wie heute“ – „hmmmm, schluchz.“  „Möchtest Du lieber eine andere Hose anziehen?“ ein zaghaftes, gehauchtes „Ja“ und ich habe es fast geschafft....weil alleine anziehen ist auch nicht mehr drin, seitdem ihr Bruder da ist. Wenn ich versuche, sie zu erpressen mit „Mir doch egal, gehst Du halt im Schlafanzug in die Schule“ oder „Wenn Du nicht mit uns frühstücken willst, kein Problem“ (ist eine Strafe, da sie es liebt, gemeinsam mit uns zu essen) kommt die gewohnte Reaktion: sie heult. Also ziehe sie an, ich weiss ja, dass sie es kann.

Das Anzieh-Theater spielen wir seit mittlerweile guten 5 Jahren....Wie sagte ich doch: im Alter von 1-3 Jahren sind Kinder am schwierigsten? Ich bin gerade dabei, meine Meinung zu überdenken.






29.11.13

Kommunikationsformen bei Kleinkindern


 
Als meine Grosse noch klein war, hab ich immer gesagt, das Alter zwischen 1 und 3 Jahren wäre das Schlimmste. Was ich damals noch nicht wusste ist, dass ich a) noch nicht wusste, dass mich danach das Heulsusenalter heimsuchen würde (dazu mehr in einem gesonderten Kapitel) und b) eines Besseren belehrt werden würde. Der Kleine übertrifft alle meine Erwartungen um Längen.
Die Grosse wäre einmal fast unter’s Auto gekommen. Ich holte sie von der Tagesmutter ab, die nachmittags mit den Kindern immer auf den Spielplatz ging, wo ich dann das Kind mit dem Fahrrad abholte. Währenddessen ich also das Fahrradschloss bearbeitete, rannte die Grosse Richtung Strasse. Ich rief „Halt, Nein!“. Da lachte sie nur und rannte weiter. Sie schmiss sich fast weg vor Lachen, als sie sah, dass ich mich in Gang setzte, um ihr hinterher zu hechten. Da rannte sie gleich nochmal nen Zacken schneller. Ein Meter bis zur Strasse war es dann noch, als ich sie endlich erwischte. Da war sie fast zwei.
Der Kleine ist jetzt 19 Monate alt. Er rennt grundsätzlich immer in eine andere als die gewünschte Richtung, aber daran sind wir jetzt dank Schulung der Grossen gewöhnt. Darauf kann man sich einstellen. Auch auf die Tatsache, dass es wohl ein mathematisches Gesetz ist, dass sich die Geschwindigkeit des Kindes beim Nachsetzen des Elternteils automatisch erhöht.
Nicht aber einstellen kann man sich (oder nur sehr schwer) auf seine Kommunikationsformen. Er schreit, beisst, zieht an den Haaren, bis dass die Grosse weint. Dann lacht er. 

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In der Kita ist er immer der Erste, der sein Essen fertig hat. Dann bedient er sich bei den anderen. Wird ihm Einhalt geboten, schreit er. Er trampelt auch gern mit den Füssen oder schmeisst sich auf den Boden. Wenn beim Abendessen die Grosse sich einen Joghurt holt, will der Kleine auch einen. Und das sofort. Sofort heisst „3 Sekunden“. Dann geht die Heulboje wieder an. Wenn Papa es wagt, sich ein Stückchen Käse in den Mund zu schieben, schreit der Kleine so lange, bis er auch ein Stück bekommt. Natürlich schreit er grundsätzlich bei Ankunft im Hochstuhl, um seine Milchflasche einzufordern, sollte diese unverantwortlicherweise vergessen worden oder noch in der Wärmphase sein.
Spielkameraden, die nicht machen, was der Kleine will, werden mit Schrei-Attacken paralysiert. Das funktioniert in der Kita ganz gut. Er bekommt, was er will, ausser wenn die Erzieherinnen einschreiten. Sie nennen ihn „la terreur de la crèche“ (adR: der Kita-Terrorzwerg). Mit zwei anderen Jungs wird hier viel kommuniziert über schlagen, beissen, an den Haaren ziehen. Angeblich ist das nur eine Phase. Wenn er dann spricht, wird alles besser.
Hoffen ist alles. Ich habe einen Traum: irgendwann wieder „normal“ essen. Sofern das halt mit zwei noch relativ kleinen Kindern geht. Träume bereichern das Leben.