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20.05.15

Montagsdemo's - ich war dabei in Leipzig 1989!


Ich habe gerade den Bericht der Frühlingskindermama zur Blogparade von Mama notes gelesen und sehr viel Lust dazu bekommen, über meine Kindheit in der DDR zu schreiben.
Vorschulzeit
Ich kam im Mai 1974 im Krankenhaus Betanien zur Welt. Meine Mama war 29 Jahre alt, als ich geboren wurde. Eine alte Mutter, aber das hatte Gründe. Wie bei der  Frühlingskindermama hat meine Mutter mich nicht lange gestillt. Das Milasan war ja so gut und nahrhaft! Wir wohnten im Leipziger Osten, meine Eltern bekamen eine tolle Wohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche und Bad. Zentralheizung hatten wir nicht, sondern einen Berliner Ofen. Ich erinnere mich noch, wie meine Mama im Winter immer morgens in mein Zimmer kam, um den Berliner Ofen anzuheizen. Es war zu kalt, ich blieb noch ein wenig im Bett bis es anfing, warm zu werden. Ich war nicht in der Krippe sondern bei einer Art Tagesmutter, an die ich aber keine Erinnerungen habe. Meine Mutter hat schnell wieder gearbeitet. Sie war bei der HO (Handelsorganisation) als Abteilungsleiterin angestellt und hat Zeit ihres Lebens im Lebensmitteleinzelhandel gearbeitet, auch nach der Wende und bis zur Rente. Das hatte viele Vorteile, ich sage nur "Vitamin B" wie Beziehungen. Es war ein richtiges Netzwerk, wenn die Verkäuferin aus der Blechbüchse (so nannten wir das grosse Kaufhaus in Leipzig) nette Klamotten hatte, rief sie meine Mutter an, die ihrerseits Bananen zurücklegte usw. Uns fehlte es nie an etwas dank Vitamin B.
Zeugen des Töpfchentrainings sind zahlreiche Bilder von mir. Ich selbst habe es trotz der Ostprägung nie angewandt und mich bei meinem ersten Kind oft mit meiner Mutter gestritten, bis sie begriffen hat, dass sie aufgeben muss. Es liegt sicherlich daran, dass ich mit 18 Jahren von zu Hause weg gegangen und somit dem ostdeutschen Einfluss entronnen bin.
Ich kam mit 1 Jahr dann in den Kindergarten in der Linnéstrasse. Meine Oma väterlicherseits holte mich immer ab, da meine Mutter ungünstige Arbeitszeiten hatte und wir gingen oft nebenan in den Botanischen Garten, das habe ich geliebt. Mein Vater war nie da, er war sehr aktiv im Handball und nahm sogar als Trainer bei den Olympischen Spielen in Moskau 1980 teil, von denen er mir einen Olympiabären, das Maskottchen, mitbrachte. Da er auch ein Schürzenjäger war, ging die Ehe letztendlich in die Brüche, obwohl ich eigentlich gezeugt wurde, um die Ehe zu retten. Es war mir nicht gelungen. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Bruder, der 9 Jahre vor mir auf die Welt gekommen war, im Alter von 5 Monaten an einem Loch im Herzen und einer Lungenentzündung im Krankenhaus verstorben war. Ich weiss es nicht. Ich war also 4 Jahre alt und mit meiner Mutter allein. Meine Omi väterlicherseits half uns viel, da meine Mutter ihre Eltern schon verloren hatte und somit auf die Hilfe angewiesen war. Ich erinnere mich daran, dass ich schon im Vorschulalter abends allein zu Hause war und im Bett auf meine Mutter wartete, dass sie von der Arbeit zurück kam. Wir hatten kein Auto, sie fuhr mit dem Fahrrad. Sie brachte mich auch mit dem Fahrrad in den Kindergarten. Ihre Arbeitsstelle war gleich nebendran. Ich erinnere mich an die Abende, an denen ich auf meinem Bett sass und aus dem Fenster starrte und auf meine Mama wartete. Sie kam und kam nicht, ich malte mir schlimme Sachen aus....war sicherlich etwas zeitig, als Kind allein zu bleiben, aber so war es nun damals. Meine Eltern hatten vereinbart, dass mein Vater mich nicht mehr sieht, da mich seine sporadischen Besuche aller paar Monate mal ziemlich aus der Bahn warfen. Dazu folgender Bericht: Was ich gern meinen Vater gefragt hätte.

Schulzeit
Ich wurde 1980 im Alter von 6 Jahren eingeschult. Den Schulweg ging ich von Anfang an allein mit einer Freundin aus dem selben Wohnhaus, die 1 Jahr älter war. Nach dem vormittäglichen Unterricht ging ich in den Hort und machte Hausaufgaben. Und dann ging ich allein nach Hause. Ich war von Anfang an ein Schlüsselkind und machte mir sogar oft abends
das Abendbrot alleine. Mit 6 Jahren konnte ich den Gasherd bedienen. Ich spielte mit der Freundin aus dem Haus und den anderen Kindern auf dem Innenhof unseres Wohnblocks. Die Grosseltern meiner Freundin hatten auch mit ein Auge auf mich. Zehn vor sieben schaute ich mir den Sandmann an und dann ging es ab zum Zähneputzen und ins Bett, zumindest theoretisch. Manchmal erwischte mich meine Mutter dabei, wie ich noch im Bad war, als sie gegen acht nach Hause kam.
Ich erinnere mich auch daran, dass ich den Kindertag hasste. Am 1. Juni wurden traditionsgemäss jedes Jahr Sportfeste organisiert. Wir hatten keine Schule und gingen in Sportsachen direkt auf den Sportplatz. Dort mussten wir überall teilnehmen und danach gab es die Medaillen. Ich war nicht sehr sportlich und hatte nie eine. Danach gab es Limonade und Kuchen. Das fand ich besser.
Der einzige Sport, der mir wirklich lag, war das Schwimmen. Ich ging jahrelang zum Schwimmtraining und hatte auch Erfolgserlebnisse. Beim Handball hatte ich wohl auch ein wenig Talent. Muss wohl von meinen Eltern vererbt worden sein, beide waren Handballer. Das fand ich übrigens gut in der DDR: das systematische Suchen von Talenten und deren Förderung. Das finde ich heute echt schwierig.
Als ich 7 Jahre alt war, schlug man meiner Mutter vor, mich in eine Russischklasse zu befördern. Was war das? Eine Klasse mit erweitertem Russischunterricht. Es gab sie als besondere Klasse an einigen Schulen des Kreises bzw. in Grosstädten wie Leipzig an speziellen Russisch-Schulen. Bereits im zweiten Schuljahr wurden Kinder mit besonderer Leistungsfähigkeit ausgewählt, sie erhielten in den R-Klassen schon ab dem dritten Unterrichtsjahr Russisch-Unterricht, der als Hauptfach mit grosser Stundenanzahl bis zum Schulabschluss weitergeführt wurde. Englisch als zweite Fremdsprache war ab der siebten Klasse obligatorisch, ab Klasse neun konnte freiwillig eine dritte Fremdsprache erlernt werden. Leistungsniveau und Lernatmosphäre dieser Klassen waren überdurchschnittlich gut. Deshalb bemühten sich viele Eltern,ihren Kindern die Aufnahme in eine solche Klasse zu ermöglichen. Abitur garantiert für die meisten Kinder der Russisch-Klasse. Das war verlockend, meine Mutter sagte nach Absprache mit ihrem grossem Bruder, meinem Lieblingsonkel, der Chemiedozent an der Uni Leipzig war, zu. Zeit meines Schullebens fiel mir das Lernen leicht, es kristallisierte sich heraus, dass ich ein aussergewöhnliches Sprachtalent besitze, das gefördert wurde. Ich nahm am Russischzirkel der Stadt teil und gewann sogar einmal den dritten Platz bei der Russisch-Olympiade des Bezirks Leipzig. Das fiel meinem Direktor auf, er wollte mich als Russischlehrerin abrechnen (zur Information: der Direktor einer Russischschule musste pro Jahr einen Russischlehrer "abliefern") und ich war sein bevorzugtes Opfer. Einmal im Jahr -ab der 7. Klasse - musste ich antreten und mich rechtfertigen, warum ich nicht Russischlehrerin werden wollte. Ich sollte ab der 8. Klasse ins Internat nach Wickersdorf in Thüringen, wo ich lernen sollte, später einmal Russisch zu lehren. Ich wehrte mich allerdings. Der Zirkus ging jedes Jahr weiter, ich konnte ja auch auf normalem Weg für das Lehramtsstudium gewonnen werden.
Ich war Jungpionier mit dem blauen Halstuch, dann Thälmannpionier mit dem roten Halstuch und ich trat auch in die FDJ ein, weil es so von allen erwartet wurde. Meine Mutter sagte mir, dass ich sagen soll, was man hören wollte, dass dies aber nicht unbedingt der Wahrheit entsprach. Wir hatten einige Verwandschaft im Westen und über deren Leben informiert, mussten aber in der DDR überleben. Mein Onkel zum Beispiel durfte nie Professor werden, da er nicht in die Partei eintreten wollte. Er wurde nach der Wende rehabilitiert und hat dann noch einige Jahre als Professor gearbeitet. Es ist schon komisch, wenn man nicht seine Meinung sagen darf und sich als Kind schon zurückhalten muss. Später im Arbeitsleben muss man es zwar auch, aber damals fand ich es schon schlimm und es hat mich sicherlich geprägt. 
Ich erinnere mich auch an die Bücher in altdeutscher Schrift, die ich von meiner Oma bekommen hatte: am Anfang hatte ich Mühe, die Schrift zu entziffern, aber die mir so fremde Welt mit Hausangestellten und Dienstmädchen - undenkbar im Sozialismus! - hat mich sehr fasziniert, obwohl der Inhalt der Bücher nicht besonders geistreich war. Man nannte sie auch "Jungmädchengeschichten", hahaha. Sowas muss man wohl auch mal gelesen haben.
Als ich 9 Jahre alt war, zogen meine Mutter und ich zu ihrem neuen Lebensgefährten an den Stadtrand von Leipzig in ein kleines Häuschen mit Garten. Was für ein Luxus! Er hatte einen Wartburg, das war unser erstes Auto. Leider konnte er nicht lange fahren, da er im Alter von 40 Jahren eine Netzhautablösung mit der Folge Erblindung erlitt. Wir fuhren jahrelang oft nach Berlin in die Charité, wo diverse Operationen an seinen Augen vorgenommen wurden. Im Grossen und Ganzen kann aber gesagt werden, dass sie in Leipzig und auch an der Charité sein Augenlicht vermurkst haben. Wäre in heutigen Zeiten wahrscheinlich nicht mehr passiert. So ist das Leben. Meine Mutter machte also mit 40 Jahren den Führerschein, wollte es aber nicht mit dem Wartburg aufnehmen. Ich weiss nicht wie, aber wir schafften es, uns einen grauen Trabant zu besorgen, der uns treu bis nach der Wende begleitete.
In der 8.Klasse musste man einen Antrag stellen, um Abitur machen zu dürfen. Dazu musste der Berufswunsch angegeben werden. Man riet mir, "Russischlehrerin" zu schreiben, aber ich hatte Angst davor, da doch noch reinzurutschen und schrieb meinen (zeitweise) wirklichen Berufswunsch "Dolmetscherin" hinein. Gravierender Fehler. Die DDR brauchte nur 2 Dolmetscher pro Jahr. Abgelehnt. Wie bitte? Meine Mutter ging auf die Barrikaden. Notendurchschnitt 1,2 und für's Abitur abgelehnt? Sie ging zum Stadtschulrat und machte einen Aufstand. Antrag genehmigt. Ich hatte nur schon keine Lust mehr, aber das war ein anderes Thema.
In den Schulferien arbeitete ich bei meiner Mutter in der Kaufhalle (heute: Supermarkt) und verdiente mir das Geld, mit dem ich mir dann meine erste schwarze Lederjacke kaufte (adR: ich war Depeche Mode-Fan).

Die Wende
1988 feierte ich die traditionelle Jugendweihe und trat in die FDJ ein. 1989 trat ich mit einigen Freunden aus. Wir waren in dem Alter, uns Fragen zu stellen und es gab Ärger an der Schule. Dann wurden die Leipziger Monatsdemonstrationen immer gewaltiger, man drohte uns, wenn wir gesehen werden würden, wäre es Essig mit dem Abitur, es würde uns verweigert werden....Ein Grund mehr, hinzugehen! Wir fühlten uns wie Rebellen, aber nur solange, bis wir uns einige Meter entfernt von Panzern befanden, deren Kanonen auf uns gerichtet waren....Wir gingen wieder und wieder hin. Dennoch dachten wir nie, dass die Grenze wirklich geöffnet werden würde. Als Günter Schabowski am 9. November 1989 eine Pressekonferenz gab, sassen wir vorm Fernseher. Es war unfassbar. Am Samstag, 11. November 1989 blieb ich mit meiner Freundin unentschuldigt vom Unterricht fern und wir fuhren mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Berlin. Wir holten das Begrüssungsgeld ab und besichtigten wie so viele andere Berlin-West. Es war sehr unwirklich. Ich gab das Geld nicht aus, kaufte mir nur eine Dose Coca-Cola und einen Marsriegel. Wenig später fuhr ich dann mit meinen Eltern zu meiner Tante nach Hannover, wo auch meine Eltern ihr Begrüssungsgeld abholten und ich mir einen tollen Kassettenrecorder von meinem Geld kaufte. 1990 bekamen wir dann auch ein Telefon, das war toll, aber vorher hatten wir ohne gelebt und das ging auch.
Abitur
Nach Abschluss der 10. Klasse ging es für mich 1990 auf die Erweiterte Oberschule, die später auf Gymnasium umgetauft wurde. Die Lehrer wussten nicht, wie sie uns den Lehrstoff aus Bayern in nur 2 Jahren eintrichtern sollten, es fehlte an Lehrmaterialien und vielem mehr, die Lehrer waren sehr unsicher und es war eine komische Zeit. Aus Gewohnheit machte ich mit Russisch weiter, einige andere hörten auf, es war ja nicht mehr Pflicht. Diese komische Zeit und meine Pubertätsphase brachten mir eine Abiturnote von 2,2 ein, was für meine Verhältnisse nicht so gut war. Ich wollte in den Tourismus, es gab aber in Leipzig keine Lehrstellen für weibliche Reiseverkehrskaufleute (ohne Quatsch: Mädels wurden nicht genommen), ich bewarb mich schliesslich überall in Deutschland für eine Lehrstelle als Hotelfachfrau und wurde in Frankfurt am Main angenommen. Im September 1992 war ich ein Ufo an der Bergiusschule in Frankfurt: es gab Serben, Kroaten, Türken usw. aber ich war der erste "Ossi". Ich erinnere mich noch, wie einige Mädels zu mir sagten "Du bist doch aber ganz normal". Hmm. Kann ich auch nix für. Ich verkürzte die Lehre auf 2 1/2 Jahre und bewarb mich für ein Studium BWL/Tourismuswirtschaft an der FH Harz. Der Numerus clausus war hoch, aber durch meine Wartezeit während der Ausbildung wurde ich genommen und studierte ab 1995 in Wernigerode. Schon während des Studiums und dann auch danach lebte und arbeitete ich in: Kasachstan, Mexiko, Kuba, Italien und der Dominikanischen Republik. Seit nunmehr 12 Jahren lebe ich in Frankreich. Kommt diese Reiselust und dieses Fernweh daher, dass ich eine "eingesperrte" Kindheit hatte? Nicht nur, aber ich denke, es hat da mit reingespielt. Das war also ein kleiner Ausschnitt aus meinen Erinnerungen aus der DDR.

07.05.15

Was ich mal werden wollte....

Christine von Mama arbeitet hat sich erinnert, welche Berufswünsche sie in ihrem Leben schon hatte. Micha von more than words auch. Dann reihe ich mich mal mit ein, weil ich es immer sehr spannend finde, wie Berufswünsche entstehen und dann umgesetzt werden oder auch nicht, bzw. sich im Laufe des Lebens verändern. Bei mir waren Tierärztin und Pilotin gross im Rennen. Ersterer Berufswunsch fiel aus, da mir eine Freundin erzählte, wie ihre Tante als Tierärztin alle Tiere bei sich beherbergte, die sie nicht einschläfern wollte. Sie wohnte mit einer blinden Katze, einem hinkenden Hund etc. Ich stellte mir schon vor, dass ich das Einschläfern wohl auch nie über's Herz bringen würde. 
Die Ausbildung zum Piloten bei der Lufthansa war damals sehr teuer und nicht wie heute vorfinanziert. Das fiel also auch aus. Dann war da dieses ständige Fernweh (kam es daher, dass ich im Osten gross geworden bin?) und ich dachte, ich mach etwas mit Tourismus. Nach dem Abi hatte ich erstmal keine Lust zum Studieren und wollte Reiseverkehrskauffrau werden. Leider gab es in Leipzig zu diesem Zeitpunkt nur Lehrstellen für männliche Bewerber (kein Witz!), so dass ich mich für den Lehrberuf Hotelfachfrau bewarb und eine Lehrstelle in Frankfurt am Main antrat. Da merkte ich recht schnell, dass die intellektuellen Anforderungen nicht sehr hoch waren, es machte mir aber trotzdem Spass. Ich verkürzte meine Lehre auf 2 1/2 Jahre und bewarb mich für ein Studium BWL mit Vertiefungsrichtung Tourismus. Und das hat mir richtig Spass gemacht. Während und nach dem Studium tingelte ich dann so durch die Welt (Kasachstan, Mexiko, Kuba, Italien, Dominikanische Republik, wieder Italien und letztendlich Frankreich) und arbeitete bei einer Incoming-Agentur, als Reiseleiterin bzw. im Hotelgewerbe. Zu Ende des Studiums sprach ich bereits englisch, russisch und spanisch, dann kamen noch italienisch, französisch und ein bisschen niederländisch hinzu.
Meinen Job als Rezeptionschefin eines Hotels in Nizza gab ich auf, als mein erstes Kind auf die Welt kam. Wir zogen ohnehin nach Bordeaux. Im Tourismus hatte es mir immer Spass gemacht, aber die Arbeitszeiten sind schon sehr familienunfreundlich. Ich brachte es einfach nicht übers Herz. Seitdem arbeite ich in einem Kreditversicherungs-unternehmen in der Auslandsabteilung und beschäftige mich mit Bonitätsprüfungen und Forderungsinkasso. Es macht weniger Spass als im Tourismus, aber ich kann meine verschiedenen Sprachkenntnisse anwenden. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass es das nicht gewesen sein kann und das ganz bestimmt noch etwas anderes kommt. Ich lass mich überraschen...

24.03.15

12 Jahre Frankreich - Jubiläum


 Ich bin etwas spät dran: Eigentlich war es schon Anfang März 2003, als ich mit meinem Ex-Freund und unserem Hab und Gut aus Rom mit dem Zug nach Nizza gekommen bin. Wir hatten 10 Gepäckstücke und haben mächtig geflucht, als wir auf dem Bahnsteig feststellten, dass es keinen Aufzug gab und wir die ganzen Sachen die Treppen runter und dann auf der anderen Seite die Treppen wieder hoch schleppen mussten. Es war ein unglaubliches Gefühl von Freiheit, von heute auf morgen die Sachen zu packen und einfach das Land zu wechseln. Französisch sprach ich damals kaum, ich hatte 6 Monate lang in Rom an der Abendschule einen Anfängerkurs mitgemacht, einmal wöchentlich 2 Stunden. Das ist gelinde gesagt so gut wie nichts. Es hat mich genervt, in Nizza im Bus nicht zu verstehen, was die Leute sich unterhalten, komisch, was? Nach einem Monat fand ich einen Job im Hotel. Beim Vorstellungsgespräch hatte ich Glück: der Direktor war einer, der sich gern reden hörte. Ich verstand ungefähr 30 % von dem, was er sagte und bejahte ab und an seine Aussagen. Das war ausreichend. Dann hatte ich wieder Glück an der Rezeption dieses Hotels: eine Indonesierin, die sehr gut englisch sprach, hat mir da sehr geholfen und alles erklärt. Die schwierigste Hürde war das Telefon.  Wenn ein Korsikaner französisch spricht und das am Telefon....Mein Sprachtalent hat mich gerettet: ich lernte schnell, ich hatte ohnehin keine Wahl. 




Heute nun, nach 5 Jahren Nizza und fast 7 Jahren Bordeaux kann ich sagen, dass ich angekommen bin. Obwohl das nicht heisst, dass ich nicht auch woanders hingehen würde. Aber es muss schon interessant und spannend sein, ansonsten kriegen mich hier keine zehn Pferde weg.
Unglaublich, damals hätte ich das nie und nimmer gedacht. Ich bin nach Frankreich gegangen, weil mein Ex-Freund mich davon überzeugt hat, dass Französisch gut auf meinem Lebenslauf aussehen würde. Trotz meiner Vorurteile (Franzosen sind arrogant und oberflächlich!) habe ich mich dazu breitschlagen lassen. Also gut, hab ich mir gesagt: ein Jahr kann ja nicht schaden und dann gehe ich wieder dorthin zurück, wo ich mich bis dato am wohlsten gefühlt hatte: in den spanischsprachigen Raum, vor allem in Lateinamerika.
Nix da. Aus einem Jahr Nizza wurden zwei, dann kam die Trennung von meinem Ex. In der Zwischenzeit hatte ich einen Hund. Im dritten Jahr nach meiner Ankunft lernte ich den Vater meiner Kinder kennen, der Franzose ist und dann nahm das Leben seinen Lauf. Ich wäre aber nie solange geblieben, wenn es mir nicht gefallen hätte. Aus Rom wollte ich weg, das wusste ich schon nach 6 Monaten, obwohl für mich Rom die schönste Stadt überhaupt ist. Komisch, was?
Als ich schwanger wurde, dachten wir, dass die Côte d'Azur wohl nicht die beste Umgebung ist, um mit Kindern zu leben: zu viel Schicki-Micki Bling-Bling. Also auf in Richtung Bordeaux, dort wohnten zu dem Zeitpunkt die Eltern meines Mannes schon seit 2-3 Jahren.
Tja und nun bin ich hier seit 7(!) Jahren. Ich liebe die Region. Ich liebe Bordeaux. Es gibt sicherlich noch andere schöne Regionen in Frankreich, ich kenne einige (das Var, die Provence, das Ardeche, die Bretagne), aber ich denke, ich bin doch in einer der für mich schönsten gelandet.




02.03.15

Die Hoffnung stirbt zuletzt





Meine Hebamme heisst Isabelle, für die Intimen "Isa" und sie ist eine Legende hier in der Gironde, ein Departement von Aquitanien. Sie ist die einzige Hebamme, die Hausgeburten betreut. Sie schafft ca. 120 Hausgeburten pro Jahr, d.h. ca. 10 im Monat. Alles war Zufall, ich wollte nur nicht wieder so ein traumatisches Geburtserlebnis wie bei meiner grossen Maus erleben und vor allem besser vorbereitet sein. Bei meinem Yoga-Kurs war noch eine andere Schwangere, Stéphanie. Wir verbrachten einen gemeinsamen Nachmittag als Modelle für Schwangeren-Massagen und haben viel über das Thema Geburt gesprochen. Sie erzählte mir, dass sie anstrebte, zu Hause zu entbinden. Das war zunächst nicht unbedingt mein Wunsch, aber ich wollte gut vorbereitet sein auf diese zweite Geburt. Sie gab mir die Telefonnummer ihrer Hebamme. Ich rief an, sie hatte noch, was für ein unsagbares Glück, Platz, um mich auf meine Geburt vorzubereiten, sagte mir aber gleich, dass der Mann auch mit bei der Vorbereitung dabei sein muss, da seine Hilfe bei der Geburt gebraucht würde....Ein erstes Treffen wurde vereinbart. Ich musste meinen Mann dazu überreden, mitzukommen, da er noch nicht begriffen hatte, welche Wichtigkeit das Ganze für mich hatte. "Sie kam, sah und siegte". Nach 1 1/2 Stunden Gespräch war mein Mann Feuer und Flamme: "Wenn Du zu Hause entbinden willst, kein Problem, ich bin dabei!" Ich dagegen musste mich Stück für Stück an den Gedanken gewöhnen. Heute kann ich rückblickend sagen, dass diese Frau mir beigebracht hat, zu gebären, in meine eigene Kraft zu vertrauen, auf mich selbst zu hören. "Auf eine Geburt muss man sich vorbereiten, wie auf einen Marathon". Genau das habe ich getan: Yoga-Übungen jeden Abend, um meine physische und auch psychische Form auf Höchstleistung zu bringen. Dammassagen durch den Mann, Beckenkreisen auf meinem Ballon. Himbeerblättertee im letzten Monat. Ich war so gut vorbereitet, dass ich nach der Geburt zu meiner Hebamme sagte: "Wenn ich gewusst hätte, dass es so einfach ist". Und auch heute noch sage ich: die Geburt macht mir keine Angst mehr, sie ist ein gewaltiges, natürliches Ereignis, einfach einmalig. Ich kann meiner Hebamme nicht genug danken, dass ich das erleben durfte.
Das kleine Würmchen lag auf mir im Warmen ohne grelles Licht, die Nabelschnur wurde nach einer Viertelstunde durchgetrennt, er wurde weder gemessen noch gewogen....
und schlief in unserem Bett zwischen unseren Kopfkissen ein, während ich ihn stundenlang unablässig bewunderte (die Hormone!).
Unnötig zu erwähnen, dass auch das Stillen (fast) ein Kinderspiel war, naja den etwas holperigen Anfang einmal ausgenommen.
Der Kreis hat sich geschlossen, ich bin in Frieden mit mir selbst und habe die Geburt meiner Tochter durch die Geburt meines Sohnes verarbeitet. Wenn es nur ums Gebären ginge, würde ich noch mehrere Kinder auf die Welt bringen. Aber dabei bleibt es ja nicht, hihi.
Alles in allem bin ich sehr traurig über die allgemeine Entwicklung unserer Gesellschaft, obwohl ich doch dachte, dass es immer mehr Personen gibt, die sich für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft einsetzen, weg von der Konsumgesellschaft etc. Nun gut, das Thema Geburten ist für mich persönlich abgehakt, aber wenn ich an meine Tochter denke, die vielleicht eines Tages ein Kind auf die Welt bringen möchte, wird mir speiübel. Aber wie sagt man so schön: "Die Hoffnung stirbt zuletzt". Wacht auf, Ihr Leute da draussen! Es betrifft nicht nur die 5 % der Familien, die zu Hause entbinden! Es betrifft alle. Die Hilfe einer Hebamme ist unentbehrlich.
Wer französisch spricht, kann hier auf diesen Link klicken und dann die PDF-Datei lesen. Dabei geht es um meine Hebamme und ein Treffen mit den Eltern, das übrigens immer noch einmal im Jahr stattfindet. Da können wir in glücklichen Erinnerungen schwelgen.
Wer gern noch mehr persönliche Erfahrungen zum Thema Hebamme lesen möchte, hier entlang.

17.02.15

Was ich gerne meinen Vater gefragt hätte...


Hallo Vater,

ich schreibe "Vater", weil "Papi" oder "Vati" habe ich Dich kaum genannt. Ich habe Dich eigentlich gar nicht gekannt. Hauptsächlich durch Omis, Deiner Mutter, Erzählungen entwickelte ich ein Bild von Dir. Die Erzählungen meiner Mutti kamen dann hinzu. Glaube mir, sie hat nie schlecht von Dir gesprochen, obwohl Du das bestimmt dachtest. Obwohl, dachtest Du überhaupt manchmal an mich, an uns? Das weiss ich nicht. Das ist eine der Fragen, die ich Dir gern gestellt hätte. Omi hat nur Gutes von Dir erzählt, sie war schliesslich Deine Mutter. Je älter ich wurde, desto mehr hat sich das Bild jedoch verzerrt. Ich erfuhr, dass Omi das Unterhaltsgeld oft vorschoss, wir erfuhren nie, ob Du es ihr auch immer wieder zurückerstattet oder einfach nur profitiert hast. Ziemlich zeitig schon hat Mutti gesagt, dass es wohl besser wäre, wenn Du mich nicht mehr siehst, da Deine seltenen Besuche mich immer völlig aus der Bahn warfen. Du hast nie dagegen protestiert, sondern einfach akzeptiert, Du hattest ja ohnehin keine Zeit. Als ob es Dir gelegen kam. Der Sport (Handball) war immer wichtiger. Zur Einschulung hast Du mir einen Olympiabären aus Moskau mitgebracht, auf den war ich unheimlich stolz. Später gab es dann immer weniger bis keine Geschenke und Omi wollte alles ausgleichen, was Du, ihr Sohn, ihrer Ansicht nach verpasstest. Sie hat sich überhaupt sehr viel um mich gekümmert. Wahrscheinlich tat es ihr weh, wie wenig Interesse Du zeigtest. Wir sahen uns nie oder nur zufällig, aber das kam einmal aller paar Jahre vor. Du warst immer sehr distanziert. Als ich 18 Jahre alt wurde, dachte ich, ich könnte den Kontakt wieder herstellen und Dich endlich kennenlernen, aber Du wolltest nicht viel von mir wissen. Du hattest die Tochter Deiner neuen Frau adoptiert, das reichte Dir wahrscheinlich.
An Omis 80.Geburtstag (ich war fast 20 Jahre alt) sahen wir uns wieder und ich weiss nicht warum, aber ich hatte grosse Hoffnungen an diesem Tag. Ich dachte, wir könnten mal zusammen ins Kino gehen oder so. Leider unbegründet. Mit 21 Jahren fing ich nach abgeschlossener Ausbildung ein Studium an und Du verstandest nicht die Notwendigkeit, mich finanziell zu unterstützen. Ich hatte schliesslich schon einen Beruf. Mit Mutti haben wir erwogen, die Unterstützung einzuklagen, da Du laut Gesetz dazu verpflichtet warst. Wir haben es nicht getan. Ich wollte meinen Seelenfrieden. Ich wollte nicht zu Gerichtsterminen und Dich sehen, wie Du Dich verteidigst. Und mir einmal mehr eingestehen, dass Du Dich nicht für mich interessierst. Die Enttäuschung noch vergrössern.
Ich habe dann irgendwie auf Durchzug geschaltet und alle Informationen zu Deinem Leben gefiltert. Das kam alles nicht mehr an mich heran.
Trotz einem sehr engen Kontakt zu Deiner Mutter, durften wir, also meine Mutti und ich, nicht zu ihrer Beerdigung kommen, wir gehörten schliesslich nicht zur Familie. Nachdem Omi nicht mehr da war, hörte ich nichts, rein gar nichts mehr von Dir.
Und dann, einige Jahre später, fand meine Mutti eine Todesanzeige in der Zeitung. Du warst ganz plötzlich gestorben, gerade mal 65 Jahre alt.
Ich war enttäuscht, ich hätte Dir gern mal direkt in die Augen geschaut und gefragt, warum Du Dich nie für mich interessiert hast. Die Reaktion hätte ich gern gesehen.
Ich habe Deine Frau angerufen, von der ich erfuhr, dass sie gar nicht mehr Deine Frau gewesen ist, sondern dass Du sie mit ihrer besten und deutlich jüngeren Freundin betrogen und dann auch sitzengelassen hast. Ein Punkt mehr, der mich nicht mit der Vergangenheit versöhnt.
Sag mir, dass es doch alles gar nicht so war. Dass Du oft an mich dachtest. Dass Du gern mehr Zeit mit mir verbracht hättest. Dass Du enttäuscht warst, dass wir nie ein richtiges 
Vater-Tochter-Verhältnis hatten. Dass Du bereust, nicht mehr um mich gekämpft zu haben. Schick mir ein Zeichen, ich werde es verstehen.

08.01.15

Terrorakt: wie erkläre ich es meinem Kind?

07. Januar 2015
In den Räumen der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hat es ein Massaker gegeben. Es ist 11:30 Uhr: Zwei vermummte Männer verschafften sich durch eine Angestellte der Zeitschrift Eintritt ins Gebäude, stürmten mit Kalaschnikows bewaffnet in das Büro. Jeder Einzelne durfte seinen Namen nennen und wurde dann kaltblütig abgeknallt. Zwölf Menschen starben. Das Sondereinsatzkommando jagt jetzt die Täter. Der jüngste Verdächtige, ein Helfer des Attentats, hat sich ergeben. Er ist 18 Jahre alt.

08. Januar 2015
Spiegel online : „Das Attentat von Paris könnte ein Wendepunkt sein: Wenn Europa nicht aufpasst, droht tatsächlich der Kampf der Kulturen, von dem manche verbohrten Ideologen träumen...Der Kampf einiger hasserfüllter Islamisten gegen den Westen hat an diesem traurigen Tag eine neue Qualität erreicht. Der Angriff auf eine Zeitungsredaktion, die sich stets kritisch mit dem Islamismus auseinandergesetzt hat, ist ein Anschlag auf den Kern der westlichen Gesellschaften: die Meinungsfreiheit, den Pluralismus, die Toleranz. Es ist ein Anschlag auf uns alle.“

Was soll darauf folgen? Ein Kampf der Kulturen? Aber das ist es ja genau, was die islamischen Terroristen bewirken wollen. Hass mit noch mehr Hass beantworten. 

Wie erklärt man das alles seinen Kindern? Die natürlich zwangsläufig etwas davon mitbekommen...
Die grosse Maus wollte wissen, warum? Was soll ich sagen: Warum? Das frage ich mich ja selbst....Journalisten, die sich über Gott und die Welt,  über den Islam wie über den Papst und Gott weiss wen lustig machen und satirische Bilder zeichnen, die wachrütteln sollen oder einen schmunzeln lassen. Da sage ich nur: „Ziel verfehlt“. Die waren doch nicht wirklich gegen Euch? Habt Ihr das nicht mal verstanden? Nein, sehr wahrscheinlich nicht. Wer es wagt, sich über den Propheten lustig zu machen, muss sterben. Ein Terrorakt gegen einen Politiker wäre ja noch irgendwie mit einer gewissen Logik verbunden gewesen...

Mit einfachen Worten haben wir ihr erklärt, was Journalisten sind und dass diese Journalisten Bilder gezeichnet und sich über eine Glaubensrichtung lustig gemacht haben, aber dass sie nicht gegen diese Glaubensrichtung sind, sondern sich über alles und jeden lustig machen. Und dass man in unserem Land das Recht dazu hat und es niemandem das Recht gibt, jemandem anderen wehzutun geschweige denn ihn umzubringen bzw. Und warum haben sie es dann gemacht? Aus Hass. Warum sie das Land hassen, in dem sie aufgewachsen sind? Das weiss ich nicht, meine Maus....Und was jetzt? Was tun wir jetzt? Wir finden die Übeltäter und stellen sie vor Gericht, weil das genau macht man mit Menschen, die soviel Böses tun.

Wir haben ihr nicht von unseren Ängsten und Befürchtungen erzählt, was nun vielleicht passieren könnte...heute Morgen wurden in der Pariser Region 2 Polizisten attackiert. Genaues weiss man noch nicht. Gibt es einen Zusammenhang?

Wie soll es weiter gehen in dem Land, das die grösste Muslimengemeinde Europas hat? Lässt man die Extremisten weiter nach Syrien zur Terroristenausbildung aus- und dann wieder einreisen? Was ist menschenrechtlich vertretbar? Bis die beiden Hauptverdächtigen gefasst werden: werden sie nicht den Märtyrertod bevorzugen und noch ein weiteres Attentat dranhängen, um als „Helden“ in die Geschichte einzugehen? 

Wird es Antworten von der anderen Seite darauf geben? Eins ist sicher: François Hollande hat jetzt wirklich Marine Le Pen im Nacken und letztere bekommt noch mehr Rückenwind.

Jetzt kann man nur auf die ausreichende Intelligenz des grössten Teils der Bevölkerung hoffen.

 

07.10.14

Von EINS auf ZWEI – eine folgenschwere Entscheidung


Das habe ich mir anders vorgestellt, schreibt schon die Herzmutter und ich kann ihr nur zustimmen. Und noch eins draufsetzen:
Als sich die Grosse Maus ankündigte, hatten wir natürlich nicht die leiseste Ahnung, was uns da erwartete. Nach dem ersten Jahr der Strapazen und des holprigen Erlebnisses, Erstlingseltern zu sein, wurden wir etwas sicherer in unserer Entscheidung, eine Familie zu werden. Alles spielte sich ein, der Papa bekam auch endlich die Rolle, die ihm zustand. Natürlich verhielt er sich wie die Mehrheit der Vertreter des männlichen Geschlechts während der Schwangerschaft zwar interessiert aber dennoch distanziert. Die Literatur verschlang ich, nicht er. Dann kam das Stillen und das konnte er mir ja nun auch nicht abnehmen. Die ersten drei Jahre vergingen wie im Flug, wir fanden zurück zu uns als Paar. Naja, bis auf ein paar Kleinigkeiten. Wir wollten – Gottweisswarum – ein zweites Kind. Nichtsahnend dachten wir, dass der Sprung von Eins auf Zwei ja dann eigentlich nicht mehr so gross sein konnte. Nun ja, wir wurden eines Besseren belehrt. Die Grosse Maus war ein Anfängerkind, der Kleine Fratz ist etwas für Fortgeschrittene um nicht zu sagen Meister ihrer Disziplin. Ich habe allerdings weder Erziehungswissenschaften studiert noch weiterführende Erfahrungen mit Geschwisterkindern – ich bin Einzelkind. Am Anfang lief alles wie am Schnürchen: Traumgeburt bei uns zu Hause, Stillen ohne die leisesten Probleme, Tragen etc. Die Eifersüchteleien fingen zeitig an. Haben uns sagen lassen, dass es wohl nie aufhört. Geschwister eben. Wie sieht das praktisch aus? Ich sage nur: Lärmpegel. Der eine will immer das, was der andere in der Hand hat. Ist eine goldene Grundregel. Wir wohnen leider nicht in einem Eigenheim, was dazu führt, dass die Nachbarn wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn der Sohnemann morgens gegen 5:30 Uhr aus Leibeskräften brüllt. Oder am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr die Türen knallt. Ausserdem: Prinzipiell stürzen sich beide Kinder auf mich, wenn ich den Telefonhörer auch nur in die Hand nehme. OK, sage ich mir dann, dann telefoniere ich eben, wenn ihr im Bett seid. Rein theoretisch geht das schon. Praktisch gibt es aber keinen Fleck in der Wohnung, der nicht an eines der Zimmer der Kinder angrenzt. Der Kleine Fratz ist sehr hellhörig. Er wacht sofort auf, wenn ich nicht in den Telefonhörer flüstere. Da hat man keine Lust mehr zum Telefonieren. Wenn wir, der Papa und ich, über irgendetwas diskutieren müssen, verstehen wir in der Regel unser eigenes Wort nicht mehr. Und da sollte noch einer sagen, es gehe laut bei uns zu, tssst. Wenn wir diskutieren wollen, müssen die Kids im Bett sein. Nur dann sind wir meistens zu müde zum Diskutieren. 
Nun ja, man kann (und will) weder die Grosse Maus noch den Kleinen Fratz wieder zurückgeben, wenn man nur könnte. Man liebt sie ja abgöttisch. Aber irgendwie hätte mich ja mal einer vorwarnen können, nech?

One lovely Blog Award



Also,Tafjora hat mich für den One lovely Blog Award nominiert, obwohl ich nicht verstehe, warum, mache ich trotzdem mit:







Worum geht es da?
1. Verlinke die Person, die dich nominiert hat
2 . Blogge die Regeln und zeige den Award
3. Veröffentliche 7 Fakten über Dich
4 . Nominiere 15 Blogger und teile Ihnen Deine Nominierung mit

1. ist erledigt. 2. auch. 3. sieben (!) Fakten über mich, ehm nun ja:
 

Katinka ist im Russischen der Kosename für Katharina/Katrin/Katja. Im Osten gross geworden, stand ich nicht vor der Wahl, ob ich Russisch lernen wollte oder nicht. Im Gegenteil, ich kam ausserdem noch in eine sogenannte Russischklasse, als ich 7 Jahre alt war. Ich hab Russisch bis zum Abi gehabt, die Sprachkundigenprüfung abgelegt und eigentlich sollte es mir gereicht haben, aber ich dachte, jetzt hab’ich’s so lange gelernt, jetzt hör ich noch nicht auf. Also weiter beim Studium, ausserdem noch ein 4-monatiger Aufenthalt in Kasachstan und so weiter und so fort. Russland und ich – eine „Hass-Liebe“.

Frankreich : hier bin ich nun seit nunmehr 11 Jahren. Eigentlich wollte ich nie hierher kommen, die Franzosen waren mir irgendwie viel zu arrogant, wie es mir bei meinen Parisbesuchen schon unangenehm aufgefallen war. Irgendein Teufel hatte mich geritten, als ich akzeptierte, mit meinem Ex-Freund aus Rom nach Nizza zu gehen, ohne jegliche Vorkenntnisse dieser unaussprechlichen Sprache zu besitzen.  Aber ich wollte nicht in Rom bleiben, also OK, warum nicht für 1 Jahr, dann lern’ich endlich französisch.  Nun ja, in der Zwischenzeit schaffe ich es, mich zu verständigen.

Es war schwer zu akzeptieren, dass EIN Leben nicht reicht, um DIE GANZE WELT zu sehen. Und ich hab einiges von der Welt gesehen. Heute weiss ich, dass ich das auch nicht unbedingt muss. Aber ich freue mich schon auf die Zeit, wenn ich es den Kindern zumuten kann, mit dem Rucksack durch die Türkei zu wandern, in Cuba aus einer Antonov-2 mit dem Fallschirm zu springen, tauchen zu lernen....In Leipzig gross geworden, beschränkte sich meine Kindheit auf das Hoffen auf einen Urlaub an der Ostsee, die ich damals über alles liebte. Dann kam die deutsche Wiedervereinigung und wir konnten endlich auch woanders hin reisen. Manchmal frage ich mich, ob mein „Weit-Weg-Drang“ nicht aus meiner „gefangenen“ Kindheit herrührt. Jedenfalls zog es mich von Anfang an mehr ans Meer als in die Berge, obwohl ich auch die Berge mag. Aber in den Bergen schneit es so viel und ich und der Schnee und die Kälte, wir sind keine Freunde. Ein Wochenende ja, aber das reicht dann auch. 4 Jahre Studium im Harz haben mir dann den Rest gegeben....Zuerst besuchte ich das Mittelmeer, dann der Atlantik, dann die Karibik. Ich beschloss, dass ich immer in der Nähe des Meeres leben wollte. PUNKT.

Macken hat jede(r) und Man(n) sagt, ich hätte ne Ordnungsmacke. Finde ich GAR nicht. Dass Schuhe vor der Tür ausgezogen werden, hat was mit Basis-Hygiene zu tun. Dass Jacken in den Schrank gehängt werden sobald man über die Schwelle der Wohnung tritt bevor sie mein Auge über einen Stuhl gehängt beleidigen, ist logisch. Es erfordert ja nicht mal einen zusätzlichen Handgriff. Dass meine Arme sich regelmässig in STAUBSAUGERARME verwandeln, um sämtliche Utensilien, die auf dem Boden, dem Tisch, der Couch oder sonstwo verstreut liegen, anzusaugen und an den zugewiesenen festen Platz zurückführen, wird mir gesagt, habe ich aber noch nicht bemerkt. Des weiteren verabscheue ich benutzte Taschentücher, die OFT NICHT IN DEN MÜLL GEWORFEN und von den STAUBSAUGERARMEN abtransportiert werden. SCHUBLADEN und SCHRÄNKE kann man nicht nur öffnen sondern auch SCHLIESSEN, aber NEIN, ich habe keine ORDNUNGSMACKE!

Mein Kreativ-Drang ist ausgesprochen ausgeprägt, obwohl ich KEIN Talent besitze. Mit der Nähmaschine geht es nur sehr mühsam vorwärts, immerhin habe ich schon ein paar Kosmetiktäschen MIT Reissverschluss hingekriegt. Irgendetwas treibt mich auch immer wieder in den BASTELWAHN mit meiner Tochter, obwohl mich der vor 2 Jahren durchgeführte Versuch, einen Lampion zu basteln, eines Besseren gelehrt haben sollte. Wir sind über die Playmais, Perlen-und Bügelperlenphase bis hin zur Filzfigurenkleb-und Fädelphase jetzt bei den Looms angelangt, die wenig im Einklang mit meiner ORDNUNGSMACKE sind. Desweiteren habe ich mutig ein Lampionbastelset im Internet bestellt, da ich wahrscheinlich danach trachte, eine bessere Erinnerung an das Lampionbasteln in meinem Gehirn festzuhalten.

Grosse Angst befällt mich, wenn ich an die Pubertät meiner Kids denke: wenn die nur ansatzweise so sind wie ich, dann wird es ausgesprochen lustig! Wir haben aber noch ein paar Jahre Galgenfrist. Ich hoffe nur, dass meine Eltern in der Zwischenzeit an Amnäsie leiden und meinen Kindern nichts davon verraten, wie ich aus dem Fenster gestiegen bin, um in die Disko (so nannte man das damals) zu gehen bzw. wie ich per Auto-Stop mit meiner Freundin über die Nordsee bis nach Dänemark abgedüst bin (AdR: ich war 16 und sollte eigentlich ein paar Tage auf einem Campingplatz an der Ostsee nächtigen, wir hatten das Geld für die Zugfahrt von unseren Eltern einkassiert, es aber für sinnvoller erachtet, es anderweitig auszugeben).

Vor 5 Jahren fing ich, nicht gerade ein Talent in der Rubrik „Gelenkigkeit“, mit Yoga an. Ich dachte, ich tue etwas zur Entspannung. Ich hatte mich ein wenig getäuscht. Entspannen tue ich mich, aber erst danach. Es wird mindestens weitere 5 Jahre dauern, bis ich die 26 verschiedenen Asanas des Bikram Yogas einigermassen im Entferntesten beherrschen werde. 

 

Gut, OK, das reicht. Puh und jetzt zum Punkt 4: 15 Blogger nominieren (oh, wie werdet Ihr mich hassen!):