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02.03.15

Die Hoffnung stirbt zuletzt





Meine Hebamme heisst Isabelle, für die Intimen "Isa" und sie ist eine Legende hier in der Gironde, ein Departement von Aquitanien. Sie ist die einzige Hebamme, die Hausgeburten betreut. Sie schafft ca. 120 Hausgeburten pro Jahr, d.h. ca. 10 im Monat. Alles war Zufall, ich wollte nur nicht wieder so ein traumatisches Geburtserlebnis wie bei meiner grossen Maus erleben und vor allem besser vorbereitet sein. Bei meinem Yoga-Kurs war noch eine andere Schwangere, Stéphanie. Wir verbrachten einen gemeinsamen Nachmittag als Modelle für Schwangeren-Massagen und haben viel über das Thema Geburt gesprochen. Sie erzählte mir, dass sie anstrebte, zu Hause zu entbinden. Das war zunächst nicht unbedingt mein Wunsch, aber ich wollte gut vorbereitet sein auf diese zweite Geburt. Sie gab mir die Telefonnummer ihrer Hebamme. Ich rief an, sie hatte noch, was für ein unsagbares Glück, Platz, um mich auf meine Geburt vorzubereiten, sagte mir aber gleich, dass der Mann auch mit bei der Vorbereitung dabei sein muss, da seine Hilfe bei der Geburt gebraucht würde....Ein erstes Treffen wurde vereinbart. Ich musste meinen Mann dazu überreden, mitzukommen, da er noch nicht begriffen hatte, welche Wichtigkeit das Ganze für mich hatte. "Sie kam, sah und siegte". Nach 1 1/2 Stunden Gespräch war mein Mann Feuer und Flamme: "Wenn Du zu Hause entbinden willst, kein Problem, ich bin dabei!" Ich dagegen musste mich Stück für Stück an den Gedanken gewöhnen. Heute kann ich rückblickend sagen, dass diese Frau mir beigebracht hat, zu gebären, in meine eigene Kraft zu vertrauen, auf mich selbst zu hören. "Auf eine Geburt muss man sich vorbereiten, wie auf einen Marathon". Genau das habe ich getan: Yoga-Übungen jeden Abend, um meine physische und auch psychische Form auf Höchstleistung zu bringen. Dammassagen durch den Mann, Beckenkreisen auf meinem Ballon. Himbeerblättertee im letzten Monat. Ich war so gut vorbereitet, dass ich nach der Geburt zu meiner Hebamme sagte: "Wenn ich gewusst hätte, dass es so einfach ist". Und auch heute noch sage ich: die Geburt macht mir keine Angst mehr, sie ist ein gewaltiges, natürliches Ereignis, einfach einmalig. Ich kann meiner Hebamme nicht genug danken, dass ich das erleben durfte.
Das kleine Würmchen lag auf mir im Warmen ohne grelles Licht, die Nabelschnur wurde nach einer Viertelstunde durchgetrennt, er wurde weder gemessen noch gewogen....
und schlief in unserem Bett zwischen unseren Kopfkissen ein, während ich ihn stundenlang unablässig bewunderte (die Hormone!).
Unnötig zu erwähnen, dass auch das Stillen (fast) ein Kinderspiel war, naja den etwas holperigen Anfang einmal ausgenommen.
Der Kreis hat sich geschlossen, ich bin in Frieden mit mir selbst und habe die Geburt meiner Tochter durch die Geburt meines Sohnes verarbeitet. Wenn es nur ums Gebären ginge, würde ich noch mehrere Kinder auf die Welt bringen. Aber dabei bleibt es ja nicht, hihi.
Alles in allem bin ich sehr traurig über die allgemeine Entwicklung unserer Gesellschaft, obwohl ich doch dachte, dass es immer mehr Personen gibt, die sich für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft einsetzen, weg von der Konsumgesellschaft etc. Nun gut, das Thema Geburten ist für mich persönlich abgehakt, aber wenn ich an meine Tochter denke, die vielleicht eines Tages ein Kind auf die Welt bringen möchte, wird mir speiübel. Aber wie sagt man so schön: "Die Hoffnung stirbt zuletzt". Wacht auf, Ihr Leute da draussen! Es betrifft nicht nur die 5 % der Familien, die zu Hause entbinden! Es betrifft alle. Die Hilfe einer Hebamme ist unentbehrlich.
Wer französisch spricht, kann hier auf diesen Link klicken und dann die PDF-Datei lesen. Dabei geht es um meine Hebamme und ein Treffen mit den Eltern, das übrigens immer noch einmal im Jahr stattfindet. Da können wir in glücklichen Erinnerungen schwelgen.
Wer gern noch mehr persönliche Erfahrungen zum Thema Hebamme lesen möchte, hier entlang.

04.08.14

Meine Erfahrungen mit der Fleurcup






 
Da musste ich doch tatsächlich 40 Jahre alt werden, bevor ich in die Genüsse einer (Achtung! Hässliches Wort!) Menstruationstasse (hier im weiteren „Cup“ genannt) komme. Weil ich einfach vorher gar nicht bewusst wahrgenommen habe, dass es so etwas eigentlich gibt. Obwohl ich als zu Hause Gebärende sicherlich etwas offener für alternative Lösungen bin.  Aber man hört/sieht nichts von deren Existenz.
Die Industrie hat ja auch nichts davon. Man bzw. Frau kauft sich 2-3 Cups und das ist ja mal rein gar nichts gegenüber den tausenden und abertausenden Tampons, die Frau in der Zwischenzeit gebrauchen würde. Da steckt einfach kein ökonomisches Interesse drin. 
Durch Zufall bzw. einen Hinweis in einer Facebook-Gruppe begann ich mich über die Cup zu informieren und beschloss recht schnell, es doch darauf ankommen zu lassen und das Teil auszuprobieren.
Über Internet bestellt, ich hab das französische Exemplar auf Anraten genommen, sie heisst „Fleurcup“.

Hmm, was soll ich sagen: das Einsetzen ist nach kurzem Üben der Falttechnik (bis jetzt habe ich nur eine einzige ausprobiert, es gibt aber viele verschiedene Falttechniken) ziemlich einfach, man sollte allerdings schon ein gesundes Verhältnis zu seinem Körper haben.
Das Herausnehmen zwecks Entleeren ist dann schon etwas kniffliger, zumindest wenn der Beckenboden gut in Form ist. Letzteres ist bei mir der Fall, nach der ersten Nacht dachte ich fast, ich würde die Cup nicht wiederfinden. 
Ich war aber durch Erfahrungsberichte gewappnet und vorgewarnt und somit nicht sonderlich erstaunt, dass es etwas komplizierter wurde. Aber wie sagt man so schön: „Übung macht den Meister!“ und getrost diesem Motto fiebere ich meiner nächsten Regel entgegen, hihi.
Ach und übrigens: Ich bin Fan!

25.10.13

Mammo-ich-bin-dabei.de?


Die Aktion "Ich bin dabei" im Brustkrebsmonat Oktober sollte uns zu einigem Nachdenken anregen.





Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, etwa acht bis zehn Prozent erkranken einmal in ihrem Leben daran. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Etwa 80 Prozent aller Frauen, die die Diagnose Brustkrebs erhalten, sind älter als 50 Jahre. „Je früher der Krebs erkannt wird, umso erfolgreicher kann er behandelt werden. Bei einer Früherkennung ist die Überlebensrate sehr hoch, die Heilungsrate liegt bei 80 bis 90 Prozent“, sagen Mediziner. Beleuchten wir einmal das Thema „Früherkennung“:

 Nach der Brustkrebserkrankung meiner Mama bin ich eilig zur Mammographie gerannt, obwohl ich noch nicht zu der Altersgruppe zähle, der eine regelmässige Kontrolle geraten wird. Ich erlebte 5 schlimme Minuten, in denen ich aus der Mimik und Gestik des Radiologen erkennen wollte, ob das, was er da sah, positiv oder negativ zu werten war. Ich dachte an meinen Wunsch nach einem zweiten Kind und dass es mir nicht wirklich gelegen käme, jetzt Brustkrebs zu bekommen....

Ist es wirklich notwendig, sich selbst zu stressen? „Gewinnt“ man dabei etwas?

Seit vielen Jahren laden die EU-Staten alle Frauen zwischen 50 und 70 Jahren (in Frankreich sogar Frauen ab 40 Jahren) regelmäßig zu einer Röntgenuntersuchung ein, um ihre Brust auf einen Tumor zu checken. Mit dem Erfolg, dass sich die Zahl der Frauen, bei denen Brustkrebs entdeckt wird, verdreifacht bis vervierfacht hat. Kann man sich die aufwändige Untersuchung ohne großes Nachdenken sparen? Ganz so einfach ist die Sache leider nicht.

Warum steigt die Zahl der Brustkrebsfälle weiter?
Brustkrebs ist eine Erkrankung, die vor allem älteren Frauen droht. Mit 50 ist die Wahrscheinlichkeit, an ihm in den nächsten zehn Jahren zu erkranken, fast doppelt so hoch wie mit 40, mit 60 fast dreimal so hoch. Dementsprechend ist es kein Wunder, dass bei einer zunehmend älteren Bevölkerung die Zahl der Diagnosen leicht zunimmt. Dass sie allerdings so rasant steigt, ist vor allem eine Folge des Screenings nach dem Motto: Wer viel sucht, der findet auch viel. Fazit: Mit dem Mammografiescreening werden also tatsächlich viele Tumoren entdeckt, die sonst den Ärzten entgangen wären.

Wer wird durch die Mammografie gerettet?
Wissenschaftliche Studien beweisen: Schickt man tausend Frauen 20 Jahre lang alle zwei Jahre zur Mammografie, wird zwar bei 65 von ihnen, also 6,5 Prozent, ein Brusttumor gefunden – nur fünf Frauen wird aber die Untersuchung tatsächlich das Leben retten. Bei ihnen geschieht das, wovon die Erfinder des Screenings immer träumten: Ein Krebsgeschwür fällt auf, bevor es im Körper Tochtergeschwülste verteilt hat oder weit in das umliegende Gewebe hineingewuchert ist. Es wird früher therapiert, die Chancen der Behandlung steigen, mehr Frauen überleben die Krankheit.

Bei 15 weiteren unter den besagten tausend untersuchten Frauen wird die Diagnose des Karzinoms indes zu spät kommen: Sie werden trotz Teilnahme am Programm an ihrer Krankheit sterben. Entweder, weil der Tumor zu spät entdeckt wurde. Oder weil er übersehen wurde und vor der nächsten Untersuchung als sogenanntes Intervallkarzinom auftauchte. Weil diese gerne besonders schnell wachsen, ist die Medizin in diesen Fällen oft hilflos.

Wer wird durch die Mammografie geschädigt?
Zur Beantwortung dieser Frage muss man wissen, dass Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs ist. Je nachdem, wie sehr das Erbgut der Krebszellen geschädigt und die Zellen außer Kontrolle geraten sind, wachsen Tumoren schneller oder langsamer, metastasieren früher oder später, sind also gefährlicher oder weniger gefährlich. Grob gesagt kann man die Krankheit in vier Kategorien unterscheiden:

Zunächst einmal gibt es die harmloseren, weil sehr langsam wachsenden Tumoren. Geschwülste, die aus diesem Grund auch ohne Screening entdeckt und erfolgreich behandelt worden wären. Dann gibt es auf der anderen Seite die besonders gefährlichen Geschwülste, die rasant wachsen, schon von klein auf Tochtergeschwüre im Körper absiedeln und – ob früh per Röntgenaufnahme oder spät als tastbarer Knoten entdeckt – tödlich sind. Ihre Trägerinnen sind auch per Mammografiescreening nicht zu retten.

Drittens gibt es die harmlosen Geschwülste, die sich aber niemals zu einem ausgewachsenen Tumor entwickeln würden. Sie werden zwar oft bei einer Mammografie entdeckt, müssten aber eigentlich nicht therapiert werden (!). Das bedeutet: In der Röntgenaufnahme fallen solche Tumoren zwar oft auf und werden anschließend auch per Biopsie bestätigt, die Frauen hätten aber nie eine Brustamputation oder Bestrahlung gebraucht. Sie werden Opfer einer Überdiagnose und damit tatsächlich geschädigt. Dieses Schicksal trifft fünf von 1000 untersuchten Frauen.

Zuletzt wären noch die Tumoren zu nennen, die beim Wachstum genau das richtige Tempo für ein Screeningprogramm an den Tag legen. Sie gedeihen so schnell, dass sie die alle zwei Jahre stattfindende Untersuchung rechtzeitig aufspüren kann. Dank der Mammografie kann der Arzt sie also tatsächlich bekämpfen, bevor sie größeren Schaden anrichten. Nur die Patientinnen, die in diese Gruppe fallen – fünf unter 1000 regelmäßig untersuchten Frauen – profitieren auch von der Mammografie. Susan Love, Chirurgieprofessorin an der University of California schätzt laut New York Times, dass nur jeder sechste bis fünfte Brusttumor überhaupt tödlich ist. "Zudem findet man durch die Mammografie besonders diejenigen Tumoren", sagt Christiane Kuhl, Direktorin der Radiologie an der Uniklinik Aachen, "die langsamer wachsen und den Frauen tendenziell nie gefährlich werden würden."

Werden manche Frauen unnötig verängstigt?
In seiner Krebsbiografie "Der König aller Krankheiten" vergleicht der US-amerikanische Onkologe Siddhartha Mukherjee Früherkennungsuntersuchungen mit dem Netz einer Spinne. Will die Spinne mehr Beute fangen, webt sie das Netz dichter. Dann klebt allerdings mit den Fliegen auch mehr fliegender Müll im Netz. Will sie den störenden Abfall vermeiden, spannt sie die Fäden mit größerem Abstand. Nun muss sie aber damit rechnen, dass ihr mehr Beutetiere durch die Maschen schlüpfen. Ähnlich ergehe es der Medizin, so Mukherjee, auf der Suche nach der perfekten Screeninguntersuchung. Richtig gewebt ist sie selten. Entweder sie findet zu viel Tumoren, die eigentlich keine sind, oder sie übersieht zu viele gefährliche Krebsgeschwülste, vermeidet dadurch aber Fehldiagnosen.

Die Mammografie hat beide Probleme. Sie übersieht die erwähnten Intervallkarzinome und meint Krebsanzeichen zu erkennen, wo Panik gar nicht angebracht ist. Laut Statistik gilt: Wenn 1000 Frauen 20 Jahre lang regelmäßig zur Mammografie gehen, wird der Radiologe bei 300 von ihnen irgendwann einen Tumor ausmachen – nur 50 von ihnen haben aber tatsächlich einen. Jede vierte Frau wird also einen Brief erhalten, der ihr einen Schreck einjagt, weil er sie zu einer Nachuntersuchung einlädt. Denn die Folge der Ungenauigkeit der Methode ist, dass die Frau ständig aufs Neue untersucht werden muss, bis sich der Arzt ganz sicher sein kann, einen Tumor zu sehen.

Auf die positive Mammografie folgen im Screening eine zweite Aufnahme, ein Ultraschallbild oder ein Tastbefund. Bestätigen diese Untersuchungen den Verdacht, wird die Frau mit der nächsten Einladung erneut geschockt. Nun entnimmt man ihr mit einer Nadel aus der Brust Gewebe. Erst diese Biopsie schafft die Klarheit, ist es ein Tumor oder nicht.

Macht eine Mammografie das Leben sicherer?
Die Antwort der Wissenschaft lautet ja, aber nicht viel. 3,45 Prozent oder 1 zu 29 beträgt das Risiko einer Frau, in ihrem Leben an Brustkrebs zu sterben – der überwiegende Anteil stirbt in hohem Alter. Durch den regelmäßigen Besuch des Mammografie-Screenings lässt sich das Risiko um 15 Prozent auf 2,92 Prozent oder etwa 1 zu 33 senken. Jede Frau muss für sich selbst entscheiden, ob das den Ärger wert ist.

Und wem nützt das ganze Theater am meisten? Dem Verdienst der Radiologen, Frauenärzte, Pharmaindustrie....